Die ehemals blühenden römischen Städte auf deutschem Boden boten zu Beginn des Mittelalters einen traurigen Anblick, da sie in der Spätantike und der Völkerwanderungszeit oft überfallen und geplündert worden waren. Die Lebensform der Germanen selbst war nicht städtisch geprägt. Daher ließ man die administrativen und wirtschaftlichen Funktionen der Städte verfallen. Der Bevölkerungsschwund während der Völkerwanderungszeit und zu Beginn des frühen Mittelalters taten ein übriges, um die Städte schwer zu schädigen. Die römischen Stadtmauern standen zwar oft noch, innerhalb dieser Mauern war allerdings nur noch ein Bruchteil der ehemaligen Siedlungsfläche bewohnt. Statt dessen erstreckten sich dort beispielsweise Äcker oder Wiesen.

Lediglich die Kirche rettete Reste spätantiker Urbanität ins Mittelalter, so etwa in Trier, Köln und Mainz. Die Kirchen, Stifte und Klöster innerhalb der Städte mussten allerdings versorgt werden. So entwickelte sich langsam eine Wiederbelebung von Handel und Gewerbe. Genau wie die weltlichen Grundherren griffen die Bischöfe auch auf abhängige Personen zurück, die Ministerialen. Zusammen mit den Kaufleuten bildeten die Ministerialen im 11. Jahrhundert schließlich die wirtschaftlich stärkste und einflussreichste Gruppe.

Der Bischof als Stadtherr besaß im Normalfall die volle Herrschaftsgewalt über die Stadt. Er war Gerichtsherr, erhob Grundsteuern und Zölle und beherrschte die Mauern und Türme. Die Stadtbewohner waren auf unterschiedliche Weise an den Stadtherrn gebunden. Entweder waren sie Unfreie, die dem Bischof gehörten, oder sie waren freie Stadtbewohner, die dem Schutz des Stadtherrn unterstanden, gleichzeitig aber auch die Pflicht hatten, die Gerichtstage zu besuchen, Steuern zu zahlen und bei der Verteidigung der Stadt zu helfen.

Trotzdem hatte der Stadtherr keine uneingeschränkte Handlungsvollmacht. Das Stadtrecht setzte einer Willkürherrschaft Grenzen. Die Stadtrechte entwickelten sich langsam als Antwort auf die Erfordernisse des Zusammenlebens vieler Menschen. Auf ihre Einhaltung, auch durch den Stadtherrn, wurde von den Bürgern sehr genau geachtet.

Im bisher üblichen Schema Klerus, Adel, Bauer hatten die Bürger keinen Platz. Erst im Laufe des Hochmittelalters erkämpften sich die Bürger ihre Anerkennung als eigener Stand. Im 11. Jahrhundert hatte das lateinische Wort für Bürger, cives, noch keine feste Bedeutung. Es bedeutete lediglich Bewohner eines beliebigen Ortes. Erst nach und nach setzte sich die Definition vollberechtigter Bewohner einer Stadt für das Wort Bürger durch. Auch dann galten noch lange nicht alle Bewohner einer Stadt als Bürger. Zum Bürgertum rechnete man nur im Sinne des Stadtrechts vollberechtigte Bewohner, die mit einem eigenen Haus und Grundstück ausgestattet waren. Die Ablehnung schloss manchmal Ministeriale, in jedem Fall aber abhängige Leute, Tagelöhner, Arme und Bettler aus. Die städtischen Judengemeinden wurden aufgrund ihrer andersartigen Religion ebenfalls ausgegrenzt.

Das Bürgertum umfasste also nur einen kleinen Teil der Stadtbevölkerung. Dieser wurde allerdings im Verlauf des Hochmittelalters zur beherrschenden Gruppe. Die Stadt wurde zur Bürgerstadt. Dies hieß aber nicht, dass sie gänzlich in deren Hände überging. Der Stadtherr behauptete einen Teil seiner Rechte.

 

Anzahl der Städte in Deutschland
 
9. Jahrhundert 40
10. Jahrhundert 90
11. Jahrhundert 140
12. Jahrhundert 250
13. Jahrhundert ca. 2000
15. Jahrhundert ca. 3000

  

Im 10. - 12. Jahrhundert hatte der Bischofssitz das Leben der Stadt bestimmt. Um den Bischofssitz häuften sich die Kirchen. Im 12. Jahrhundert wurde man sich dem Phänomen Stadt soweit bewusst, dass man nun planmäßig Städte gründete. Dabei war die Bevölkerungszahl von nur geringer Bedeutung. Köln, die einzige Großstadt nach mittelalterlichen Maßstäben, hatte zum Ende des 12. Jahrhunderts auf 400 Hektar ungefähr 35000 Einwohner und besaß damals elf Stiftskirchen und vier Pfarrkirchen. Trier und Mainz als Mittelstädte zwischen 2000 und 10000 Bewohner. Insgesamt waren über 90 Prozent der deutschen Städte Kleinstädte mit kaum mehr als 500 bis 2000 Einwohnern und unterschieden sich kaum von Dörfern. Als Keimzellen für Städte konnten Marktsiedlungen wie Soest oder Münster, Königspfalzen wie Aachen oder Frankfurt sowie Stifte und Klöster wie Kempten oder Fulda dienen. Einer der frühesten Gründungsstädte war Freiburg im Breisgau, das 1120 von Konrad von Zähringen gegründet wurde.

Die meisten Stadtgründungen fallen allerdings ins 13. Jahrhundert. Jeder noch so kleine Landesherr wollte aus wirtschaftlichen oder strategischen Gründen oder einfach aus Geltungssucht Herr einer eigenen Stadt sein. Hier kommt es zu einem großen sozialen und wirtschaftlichen Wandel in den Städten: Handel und Handwerk entfalten sich und werden zu neuen Aktionsmittelpunkten. Nach 1300 konnte sich das Bürgertum voll entwickeln.

Am Ende des 15. Jahrhunderts lebten in den Städten nur etwa 10 bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung von etwa 12,5 Millionen. Lediglich 12 bis 15 Städte hatten mehr als 10.000 Einwohner. Dazu kommen noch 15 - 20 Städte mit je 2000 bis 10.000 Einwohnern. Bei den meisten Städten lag die Einwohnerzahl zwischen 100 und 1000.

Die Stadtmauer machte die Stadt zur Großburg, die eine enorme militärische Bedeutung haben konnte. Die Mauern umschlossen einen Bereich eigenen Rechts, den Geltungsbereich des Stadtrechts.

Das beherrschenden Thema der Stadtgeschichtsforschung ist die Entwicklung des Verhältnisses zwischen dem Bürgertum und dem Stadtherren. Zunächst wurde die Zusammenfassung der Stadtbewohner zu einer funktionierenden Lebensgemeinschaft von äußeren Faktoren bestimmt, beispielsweise durch eine gemeinsame Pfarrgemeinde oder Gerichtsgemeinde. Seit dem 11. Jahrhundert allerdings wurde die Gemeinschaft praktisch von innen mit Leben erfüllt. Die Tendenz ging dahin, genossenschaftliche Zusammenschlüsse zu bilden. In den Städten entstanden religiöse Bruderschaften, Kaufmannsgilden und Handwerkerzünfte. Die Stadtherren lehnten solche Neubildungen vehement ab, da diese ihre Herrschaftsrechte zu beeinträchtigen drohten. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen. Nach und nach erkannten die Stadtherren allerdings, dass die bürgerlichen Bewegungen auf Dauer nicht zu unterdrücken waren. Es kam zu Kompromissen, in denen die Stadtherren immer mehr Rechte an die Bürger abtraten, bis die meisten Städte im Spätmittelalter ihre ehemaligen Herren aus den Mauern vertrieben. Sichtbares Zeichen dieser lang umkämpften Autonomie waren die Stadtsiegel.

 


Dass es hier zwischen Nachbarn nicht immer friedlich zu ging versteht sich von selbst. Aus der Chronik des Burkard Zink:


 1372 - Auf Freitag nach sant Veits tag zugen die von Augspurg geen Lantsperg und pranten die verstat ab, und am widerkern verpranten sie Landau, Kusslingen, Teuringen und kamen her haim one schaden.

 


 1372 - Item auf sampstag desselben jars nach Petri Pauli do zogen all soldner hie auß und was von jungen burgern hie was geen Schönegg auf her Hainrich von Freiperg, der was des mals grafen von Wirtenperg iener, und verpranten drei dörfer. des ward graf Ulrich von Wirtenperg innen uns was zornig und wolt auf die von Augspurg zogen sein, da schickten die von Augspurg zu im, und ward bededingt, daß sie im muesten geben 400 fl., wan man hett im unrecht getan, des entgalt man pillich.


1372 - Darnach auf den kindlistag im 1372 jahr da zoch man hie auß mit 300 mannen eitl fueßvolk gen Fridperg und gewunnen den markt und machten sackman darin; darnach verpranten sie den markt und zegen herwider one schaden, aber die veste gewan man nit. 


 "Item auf liechtmeß anno 1462 schickten die von Augspurg 150 pfärd raisiger und bei 300 man ze fueß gen Bocksperg und wolt man es gewunnen han, man füert mit büchsen, wein und kost nach notturft. und als sie dar kamen, da was marggraff Albrecht vor da und hett es eingenommen, sie hetten sich ergeben dem marggraffen lieber, dann den von Augspurg. und also gab der marggraff das schloß den von Augspurg über und sie besatztens mit 12 gueten gesellen, die es solten behüeten. und also nam der merggraff unsern raisigen zeug mit im gen Wertingen zu. und die fueßknecht die kamen all her wider haim des morgens mit büchsen und allem zeug und waren all gesund on allain ain schuester, der was krank worden und starb auch des andern tags darnach." 


 1462 - "Item an dem 11.tag des Monats februari in der nacht kamen sie von Fridperg mit 50 pfärden und mit 40 fueßknecht und verpranten Iningen und Gögingen, und darnach in derselben wuchen verpranten sie Westendorf, Norndorf, Langen- und Kurtzenreichen und andere dörfer in den veldern zu Hurlach verpran. darnach in der wuchen nach Balentini verpranten sie Hurlach und Obermeutingen und namen, was sie funden, ross und küe, und füertens mit in hin zu.

Item auf suntag zu nacht nach vincula Petri kamen die von Fridperg und verpranten die blaich all und die mül zu Hanerai und die segmüllin und kamen an des Hermerlins müll und woltens auch verprent han: da waren guet gesellen darinn mit hantpüchsen, die schußen undee sie, darmit so belib sie unverprent."


1462 - Item an dem suntag, so man singt letare, anno 1462 zoch man hie auß am morgens früe, als die glogg 2 schlueg, mit 100 pfärden raisigs zeugs, der was hauptmang raff Oswald von Dierstain, und mit im 480 man ze fueß gen Fridperg und wolt man die von Fridperg gerauß gelegert han, aber sie waren gewarnet worden und wolten nit herdann; doch ritt unser raisiger zeug zu inund scharmützelten mit in und viengen ir 5 raisig und wurden ir neun erstochen. und ist zu wißen, daß sie hetten ab 200 pfärden raisiger, aber wir hetten 200 Schweizer und sunst eitl büchsen- und armbrostschüzen, die hett man verschlagen und in ain huet gelegt und weren sie herdan kommen, ichhett ain hoffnung gehapt, sie wern all unser aigen gewesen. also kamen sie all herwider, dann ainem ward ainhengst erschoßen und ain Schweizer ward geschoßen in den kopf und pracht den pfeil in im her in die stat. 


1462, 20. April - Item herzog Hans von Münichen was auch auf den tag und auf die nacht, als das volk von hinnen zoch, er was darvor am astermontag herkommen mit 80 pfärden, der ritt auch von hinnen am dornstag nach eßens; man sagt, er wer her geritten von fridmachens wegen (mit herzog Ludwig), der was zu Rain auf dieselben zeit, als man sagt.

Item es ist zu wißen, daß an dem tag, als dem marggraffen und den von Augspurg die potschaft kam von hertzog Lodwigs volks wegen, daß die in dem Rieß mit gewalt weren: also desselben tags kam ainer vin Fridperg zu dem rotten tor, der trueg hertzog Hansen von Münichen librei und büchs und sprach, er wer dertzog Hansen pot und wölt zu seinem herrn und trüeg brief, die müest er im geben. nun was er nit hertzog Hansen diener, dann er was von Fridperg, und man kant in wol. also vieng man in ihn legt in in die eisen und fand bei im ain großen bischel brief; was aber die brief innhielten, das waiß ich nit. aber von standan giengen die herrn in den rat und ward der anschlag gemacht, daß man in derselben nacht zu mitternacht ganz berait was, und zoch man auß mit allem saisigen zeug, der hie was; gott geb in glück! das, derstan ich, sei die ursach, daß man so gechlingen berait was, dann man hett dem marggraffen erst gar vil brots gepachen bei zwain tagen an ainander, das was bei 10000 brot, die ließ er alle hie und vil wein und flesch, haber und ander ding; was nun darauß wirt, das waiß gott wol. 


1462, 6. August - Item am Freitag vor sant Afran tag waren unser gesellen zu Bairn gewesen in ainem dorf, genant Dinkelbach, ist des Freisingers, und hetten es überfallen und namen da, was sie funden und prachten mit in herhaim 240 küe und 50 ross und bei 40 seuen, was sicher alles güet vich, und prachten etlich pauren gefangen mit in und kamen auf den obgenanten tag am morgen früe wol her in die stat mit dem vich. doch ist ze wißen, als sie waren komen über Lech, da eilten in nach der von Freipurg, pfleger zu Möringen, und ergriffen 4 arm gesellen, hetten sich verhindert, und viengen sie und füerten sie gen Hägnenberg. 


1462, 6. September - Item an dem tag abent, als die glogg 6 schlueg, da was unser hauptman, graff Oswald von Tierstain außgeritten spacieren selb vierd, da kamen im entgegen ir acht von Fridperg, doch waren ir bei 50 von Fridperg auch im veld. und als die acht graff Oswalds gewar wurden, da fatzen sie an in; des nam aber graff Oswald war und schickt gar bald ain knecht von im zu dem tor und ließ das feindglöglin leuten. also erhört der wachter auf dem Perlachturn das feindglöglin uff Hausstetter tor leuten und schlueg auch an die söldnergloggen, also eilten all söldner auß und kamen dem graffen zu hilf und viengen der Bair 7 und prachten sie mit in her in die stat mit ross und aller rüstung. also gab man in tag sich wider ze stellen auf sant Mangen tag. man sagt, sie wern hertzog Hansen knecht von München, die uns doch kain feintschaft zugesagt hand und sind auch mit uns und wir mit in in ainung; o wee der großen untreu! 


 

Parallel mit dem steigendem Reichtum der Städte und der sinkenden Macht des Königs sowie einiger Fürsten versuchen die Bürger, die Herrschaft der Stadtherren zu beschränken oder abzuschütteln. Die Schutzherrschaft wurde sinnlos, als sich die Stadt aus eigener Kraft besser schützen konnte, als der oft weit entfernte und in Kriege verwickelte König. In den Bischofsstädten nutzten die Bürger die Streitigkeiten zwischen den Bischöfen und dem König geschickt aus und erreichten so eine weitgehende Freiheit von der bischöflichen Stadtherrschaft. Ein Beispiel hierfür ist die Stadt Mainz. Entscheidend für den Erfolg der Bürger im Kampf gegen die Stadtherren war, ob sie sich eigene Institutionen zur Stadtregierung und zur Verwaltung ihrer Ressourcen schaffen konnten. In den einzelnen Städten verlief diese Entwicklung unterschiedlich.

Die Führer der Stadtgemeinden waren zunächst Männer, die schon unter den Stadtherren herausgehobene Positionen wie etwa die der Schöffen hatten. Ursprünglich hatten die Stadtherren die Schöffen nach eigenem Gutdünken ernannt. Nun galt der Brauch, dass die Schöffen freigewordene Stellen durch eigene Wahl neu besetzten. Die Gefahr der Cliquenwirtschaft drohte. Nach Auseinandersetzungen und Kämpfen gegen diese Vorgehensweise wurden schließlich Stadträte gegründet, die sich aus den verschiedenen Gruppen der Bürgerschaft zusammensetzten. An der Spitze des Rates stand der Bürgermeister mit einer befristeten Amtszeit. Trotzdem war die Ratsverfassung keine demokratische Einrichtung. Nur die Vollbürger hatten das aktive Wahlrecht.

Auf der obersten Stufe der städtischen Hierarchie standen die Kaufleute, die sich mit zunehmendem Reichtum eine ritterliche Lebensweise zulegten. Unter den Kaufleuten standen die Handwerker, die sich im Hochmittelalter zu Zünften zusammenschlossen. Die Zünfte waren nicht nur ausschließlich wirtschaftliche Interessenverbände, sondern vielmehr Solidargemeinschaften, die alle Lebensbereich umfassten. Die Mitglieder unterstützen einander im Leben und beteten für das Seelenheil der Verstorbenen. Die Masse der Stadtbevölkerung bestand allerdings aus armen Leuten, Dienstpersonal, Tagelöhnern und Bettlern, von denen viele aus dem Umland eingewandert waren. Viele waren ihren Herren entlaufen und hofften auf die Anonymität in der Stadt. Nach Jahr und Tag waren sie, getreu dem Sprichwort "Stadtluft macht frei!", frei von allen alten Bindungen.

Die Unterschicht prägte das Straßenbild der Städte. Die Reichen traten kaum in Erscheinung und wenn, dann ritten sie selbst kürzeste Strecken. Da es in den Städten auch keine Armenfürsorge gab, umlagerten Bettler ständig die Kirchen, Märkte und Häuser der Reichen.

Der Reisende im Mittelalter konnte schon von weitem die stolz und mächtig über die Dächer der Häuser hinausragende Kathedrale oder Kirche der Stadt erblicken. Kam er zum Gottesdienst und um Geschäfte zu erledigen, aus dem Mittelalter stammt die Bezeichnung "Messe", weil Markttage oft mit kirchlichen Feiertagen, bei denen man zugleich auch zur Messe in die Kirche ging, verbunden waren, in die Stadt so konnte er erst die ganze Pracht der Gotteshäuser erkennen.

Der Gemeine Pfennig war eine Reichssteuer, die jeder Bürger ab dem 15. Lebensjahr zu entrichten hatte. Diese Steuer wurde auf dem Reichstag von Worms 1495 eingeführt. Der Reichspfennig stellt den ersten Versuch einer allg. Reichssteuer dar. Diese Steuer sollte zur Aufstellung eines Heeres dienen und die Kosten für das Reichskammergericht decken. Der Versuch diese Steuer durchzusetzten, misslang aber. Gründe dafür waren: Das Eintreiben war zu schwierig und der Ertrag zu gering.

 

Leben in einer mittelalterlichen Stadt am Beispiel der Stadt Deggendorf

Das Leben in der Stadt Deggendorf unterschied sich wesentlich von dem in den umliegenden Dörfern. In der Stadt lebten persönlich freie Bürger, unterschiedlich vermögend und somit auch unterschiedlich an der Verwaltung der Stadt über den Stadtrat beteiligt. Es gab Kaufleute, Handwerker, Wirte, Fischer, die selber für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten, Knechte und Mägde, die sich zur Arbeit verdingen mussten, aber auch Arme, Waisen, Alte und Sieche, die auf die Wohltätigkeit der Reicheren angewiesen waren.

Bei weitem nicht alle Einwohner der Stadt waren Bürger. Es wurde zwischen Bürgern und Einwohnern unterschieden. Hausbesitz war zwar förderlich für die Erlangung des Bürgerrechtes, aber durchaus nicht alle Bürger waren Hausbesitzer. Auf dem Lande, auch im Bereich der niedermünsterischen Propstei, lebten Bauern, Knechte und Mägde sowie wenige kleine Handwerker in feudaler Abhängigkeit. Für viele war Deggendorf das gelobte Land, doch Wohnrecht in der Stadt oder gar Bürgerrecht erhielten nur wenige. Man wollte keine fremden Arme aufnehmen, und auch Handwerker und Kaufleute erhielten nur das Bürgerrecht, soweit Bedarf an ihren Berufen bestand oder eine Konzession bzw. eine Handwerkergerechtigkeit wegen des Todes des bisherigen Inhabers frei wurde.

Das Alltagsleben in der Stadt war nicht weniger hart als im Dorf. Die Arbeitszeit für die Gesellen und Lehrlinge betrug zwölf bis vierzehn Stunden sechs Tage in der Woche. Sie lebten im Haus ihres Arbeitgebers und wurden auch dort verpflegt. Man kann sich vorstellen, wie eng es in diesen Häusern, wo sich ja auch die Werkstatt befand, zuging. Der Meister und seine Ehewirtin arbeiteten ebenfalls von früh bis spät. Hauptspeise war neben dem Brot Brei aus Hirse, das wichtigste Essbesteck der Holzlöffel. Gabeln waren noch unbekannt. An Fleisch wurde vor allem Schweinefleisch und Rindfleisch verzehrt.

Die Stadt bot mehr Zerstreuungsmöglichkeiten als das Dorf. Deggendorf besaß zahlreiche Wirtshäuser, in denen Bier oder Wein ausgeschenkt wurde und auch der Spielleidenschaft, vor allem dem Würfeln und dem Kartenspiel, gefrönt werden konnte. Offensichtlich wurde damals viel mehr Wein als heute getrunken, denn Weingastgeb war ein verbreiteter Beruf. Mehrfach ist belegt, dass die Deggendorfer den alkoholischen Getränken übermäßig zusprachen, so dass es zu Raufereien, Mangelernährung oder Arbeitsausfällen kam. Der Rat begegnete dem mit Gefängnisstrafen. So verpflichtete sich der Bürger Rüprecht Widl im Jahre 1537: "meines überflüssigen Tringkens abzusteen und alles Spielens zu entsagen".

Möglichkeiten der Zerstreuung boten auch die drei öffentlichen Badestuben der Stadt, das Heroldsbad, das Krambad und das Schulbad. Auch die zahlreichen Märkte, Prozessionen und Wallfahrten etwa anlässlich der Gnad boten den Deggendorfern nicht nur gute Einnahmequellen, sondern auch eine stets willkommene Abwechselung.

Eheschließungen waren von wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt, Liebesheiraten kaum möglich. Die Eltern der wohlhabenden Bürgergeschlechter bestimmten die Ehepartner ihrer Kinder. Das zeigen die vielen Ehen zwischen den Ratsbürgerfamilien. Handwerker konnten den Ehebund nur schließen, wenn sie Meister waren. Bürgeraufnahme, Erteilung der Handwerkergerechtigkeit und Verheiratung fielen deshalb häufig zusammen. Viele Ehen dauerten nur kurze Zeit, da entweder die Frauen im Kindbett starben oder die Männer Unfälle und Krankheiten nicht überlebten. Die geringe Lebenserwartung führte dazu, dass der überlebende Ehepartner sich binnen kurzer Frist neu verheiratete, da anders der Handwerksbetrieb oder Kaufmannsbetrieb nicht aufrechtzuerhalten war. Der Tod eines Handwerksmeisters war für einen Gesellen die Gelegenheit, über die Heirat der Witwe selbst zum Meister zu werden. War sie wesentlich älter als er, konnte er hoffen, nach ihrem Hinscheiden bald eine Jüngere ehelichen zu können. War sie jung, umso besser.

Groß war die Zahl der geborenen Kinder, die schon früh arbeiten mussten und allgemein als kleine Erwachsene betrachtet wurden. Natürlich verfügten die Kleinkinder auch über Spielzeug, z.B. Puppen aus Pfeifenton, Pferdchen, Ritterfigürchen und Murmeln. Viele Kinder erreichten allerdings nicht das Erwachsenenalter. Dennoch kam es immer wieder zu verwickelten Erbfällen, wenn beim Tode des Vaters oder der Mutter Kinder aus verschiedenen Ehen vorhanden waren. Als zum Beispiel 1555 der Bierbräu Leonhard Nörer starb, waren drei Kinder aus erster Ehe, der Kürschner Wolf, der Bierbräu Michel und Margret, Hausfrau des Bierbräu Hans Mulner, sowie vier Kinder aus zweiter Ehe noch am Leben. Das waren der Bierbräu Hans, Katharina, Ursula und Magdalena. Allein diese Aufzählung verweist auf weitere alltägliche Erscheinungen dieser Zeit: die Weiterführung des väterlichen Berufs durch die Söhne, die Heirat der Töchter in die gleiche Berufsgruppe und eine geringe Mobilität, nur eine Tochter verließ Deggendorf in Richtung Straubing.

 

Städte im MA

794
Frankfurt (am Main), ursprünglich Römerkastell, dann fränkische Pfalz, unter dem Namen Franconofurd erstmals erwähnt; durch die Goldene Bulle (1356) Ort der Wahl, 1562-1806 der Krönung des deutschen Königs bzw. Kaisers
795
Köln, war ursprünglich ein römisches Lager, aus dem 50 nach Christus eine befestigte Stadt wurde. Im 5. Jahrhundert kam die Stadt unter fränkische Herrschaft; wurde sie Erzbistum; unter den Ottonen wuchs Köln zur größten Stadt des Mittelalters heran. Der Erzbischof war zugleich der politische Herrscher über die Stadt. 1288 erkämpfte sich die erstarkte Bürgerschaft die Selbständigkeit. Errichtung des Kölner Doms (1248-1560; 1842-80) Die Einwohnerzahl der Stadt Köln belief sich im späten Mittelalter auf ca. 40000 - 50000.
9. Jahrhundert
Hamburg, wurde als Burganlage (Hammaburg) mit christlicher Kirche im 9. Jahrhundert gegründet. Als Mitglied der Hanse war die Stadt von großer Bedeutung. Die Einwohnerzahl der Stadt Hamburg belief sich im späten Mittelalter auf über 10000.
11. Jahrhundert
Pisa, italienische Stadt in der Toskana, am unteren Arno, Universität (1343), Dom (11./12. Jahrhundert) mit weltberühmtem "Schiefen Turm" (54,5 Meter hoch; stellte sich bereits während des Baus im 12.-14. Jahrhundert schräg und hängt derzeit 6 Meter über); Baptisterium (1152 begonnen). Ursprünglich eine griechische Siedlung; 180 vor Christus römische Kolonie; im Mittelalter eine der bedeutendsten See- und Handelsstädte.
11. Jahrhundert
London (Stadt, Großbritannien), keltische oder römische Gründung (Londinium); schon im 11. Jahrhundert bedeutende Handelsstadt. 1215 bestätigte die "Magna Charta" die städtischen Privilegien. Magna Charta Libertatum, englisch The Great Charter, die "Große Freiheitsurkunde", die dem englischen König Johann ohne Land 1215 als zweiseitiger Herrschaftsvertrag von Adel und Klerus abgenötigt wurde; die erste Verfassungsurkunde. Sie schränkte die königliche Allmacht vor allem zugunsten des Adels ein und beurkundete feudale Vorrechte. In den späteren revolutionären Auseinandersetzungen zwischen Krone und Parlament im England des 17. Jahrhundert wurde sie in ein Dokument englischer Freiheitsrechte umgedeutet. Die Einwohnerzahl der Stadt London belief sich im späten Mittelalter auf circa 50000.
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