Gebettelt wurde zu allen Zeiten und in fast allen Kulturen. Das Betteln zählt zu den ältesten "Gewerben" der Welt. Bettler lösen recht unterschiedliche Gefühle aus: von Mitleid, Schuldgefühlen, Unbehagen und Angst zu Aggression, Verachtung und Ablehnung. Bettler ernten viele milde Gaben, aber auch viel Zorn. Und das schon, seit es das Betteln gibt.

Bereits in der Antike galt Betteln als Defekt und als Untugend, und so kommen die Bettler bei den meisten antiken Schriftstellern sehr schlecht weg. Es gab aber eine Menge Mittelloser mit sehr geringer oder keiner Chance auf ein Einkommen. Sie hatten keine andere Möglichkeit. Das Problem blieb ungelöst, durch alle Jahrhunderte hindurch. Man verprügelte die Bettler, peitschte sie aus, stellte sie an den Pranger, sperrte sie ein, verwies sie des Landes oder deportierte sie in andere Kontinente. Nur was man eigentlich wollte, nämlich sie loswerden, erreichte man nie.

"Die Verachtung der Armen ist Mord", predigte hingegen das frühe Christentum. Eine Sonderstellung nimmt in diesem düsteren Teil der Menschheitsgeschichte nur das Mittelalter ein, denn Armut galt in den meisten Gegenden Europas damals als gottgewollter Zustand und als hoher geistiger Wert. Durch Jesus Vorbild und sein Lob der Armut bekam das sprachlich mit Bitten und Beten verwandte Betteln einen verbindlichen religiösen Hintergrund.

Über die Anzahl der Bettler in den Städten des Mittelalters gibt es höchst unterschiedliche Angaben. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Anteil an der städtischen Bevölkerung groß gewesen sein muss. Im Jahr 1530 sollen in Straßburg unter 30000 Einwohnern etwa 23500 Bettler gelebt haben.

 

Von Gott gesegnet

Die Armen waren willkommen, boten sie doch durch ihre Hilfsbedürftigkeit allen, die selbst auch nur annähernd mit dem Nötigsten versorgt waren, und umso mehr natürlich den Reichen, ausreichend Gelegenheit, sich in Wohltätigkeit und Nächstenliebe zu üben, und so für ihr zukünftiges Seelenheil zu sorgen. Wohlhabende Bürger trugen zum Zeichen ihrer Bereitschaft zu geben eine Almosentasche bei sich. Außerdem wurden die Armen als von Gott besonders gesegnet aufgefasst. Hoch geschätztes Vorbild waren meist die zahlreichen in freiwilliger Besitzlosigkeit lebenden Bettelorden.

Besondere Erwähnung verdient jener Dominikaner Ambrosius von Siena im dreizehnten Jahrhundert, der sich noch als Jüngling von seinem reichen Vater die Erlaubnis erbeten hatte, jeden Sonnabend fünf Fremde bei sich aufzunehmen und sie zu bewirten. Er machte es wie jener Mann im Evangelium, der ein Gastmahl bereitete, wozu er am Ende die Krüppel und Lahmen von den Zäunen und Landstraßen herbeiholte. Er stellte sich unter die Tore der Stadt, und wo er eines Armen habhaft wurde, führte er ihn in sein Haus und bewirtete ihn, ging dann aber auch des anderen Tags mit seinen Gästen zur Messe. An den Feiertagen besuchte er die Gefängnisse, und an den anderen Sonntagen die Spitäler und legte selber Hand an zur Verpflegung des Kranken.

Noch heute spiegelt ein kurdisches Sprichwort diese im Christentum weitgehend verloren gegangene Einstellung wider: "Der Habenichts ist der Held Gottes." Allerdings wurden die Bettler auch aufgefordert, für die Almosengeber zu beten. Vor allem aber wurden sie zur Ehrlichkeit aufgefordert: nur aus wirklicher Not und nicht aus Faulheit und Bequemlichkeit sollte gebettelt werden.

Rasch wurden die Menschen des Gebens aber offenbar überdrüssig, und alle möglichen Rechtfertigungen ließen nicht lange auf sich warten. Viel strenger als vorher wurde ab dem 16. Jahrhundert zwischen wirklich bedürftigen "ehrbaren" und "unwürdigen" Bettlern unterschieden, was allerdings in der Praxis nicht immer funktionierte. Dazu sind die Gründe für die Armut zu vielfältig: Krankheit, Unfälle, Katastrophen, wirtschaftliche Veränderungen und rasches Anwachsen der Bevölkerung, gesellschaftliche oder persönliche Benachteiligungen und Entwicklungsstörungen, aber natürlich auch Fehltritte und Fehlentscheidungen, um nur die häufigsten zu nennen. Auf jeden Fall mussten Bettler nun immer mehr Bedingungen erfüllen. Bevor sie Hilfe erhielten, mussten sie regelmäßigen Kirchgang und einen besonders einwandfreien christlichen Lebenswandel nachweisen können.

Überall war man allmählich zunehmend bestrebt, die Bettler zu vertreiben. Plötzlich störten sie das wohlgeordnete Bild. "Ein schwerer Beutel macht leicht eitel", warnte Abraham a Sancta Clara in seinen Predigten. Die Brutalität, mit der gegen Bettler vorgegangen wurde, hatte aber lange noch nicht ihr volles Ausmaß erreicht.

Und so gab es noch Ausnahmen und eigene Regelungen, wer wo wann betteln durfte. Dabei wurden die einheimischen bettelwilligen den ausländischen vorgezogen. Unter bestimmten Bedingungen konnten sie Bettelgenehmigungen erhalten und mancherorts eigene Bettlerabzeichen, die sehr erniedrigend und diskriminierend waren und doch für manche die letzte Rettung. Erlaubt wurde fast ausschließlich passives Betteln. Das aktive "aggressive" Betteln war verpönt und fast überall untersagt.

All diese Veränderungen geschahen natürlich nicht zufällig: Die Pflicht zur Arbeit rückte nun gebieterisch in den Vordergrund und begrub die mittelalterliche Welt unwiederbringlich unter sich. Die Bettler wurden das erste Mal seit der Antike als nichtsnutzig und arbeitsscheu beschimpft. Als gottgewollt galt nun nicht mehr die Armut, sondern die Arbeit. Erstmals in der Geschichte des Christentums schlug den Bettlern Verachtung entgegen. Dem untätigen Landstreicher drohte nun die ewige Verdammnis Gottes, was seine Mitmenschen mit großem Eifer vorwegnahmen. Diese neue Haltung erwies sich als äußerst haltbar. Die frühere religiöse Verknüpfung wich nun der kriminellen. Allerorten wurden Gesetze gegen das Betteln und zur Bestrafung der Bettler erlassen.

Und auch auf die hartnäckig Gebefreudigen wurde nicht vergessen: sie mussten nun mit Geldstrafen rechnen. Das "betrügerische Betteln" wurde zum großen Thema, als wäre es die einzige Form des Bettelns. Kranke Bettler wurden am ehesten geduldet, jeder annähernd gesunde aber war höchst suspekt. Viele Krankheiten und Gebrechen, Schwangerschaften, Kinder und Behinderungen wurden Berichten zufolge tatsächlich vorgetäuscht, und viele machten wie später Brechts Bettlerkönig Peachum ein so lukratives wie bequemes Geschäft aus der Kunst, "das menschliche Mitleid zu erwecken". Beliebt war zum Beispiel Fallsucht vorzutäuschen, mit Seifenschaum vor dem Mund.

 

Strafe statt Hilfe

Aber auch viele tatsächlich Notleidende fanden nun Strafe statt Hilfe. Je nach Gegend, Temperament und bisherigen Erfahrungen wurden sie an den Pranger gestellt, geprügelt, ausgepeitscht, gefoltert und gebrandmarkt. Beliebt war das Abschneiden eines Ohres oder das Durchbohren einer Ohrmuschel mit einem Brenneisen. Aufgegriffene Vagabunden wurden mit einem V auf der Brust oder an der Schulter gekennzeichnet, Zeichen, "Schandmale", die den Rest des Lebens unwiderruflich veränderten. In Frankreich verurteilte man Bettler zum Galeerendienst, andernorts kamen sie als unterbezahlte bis unbezahlte Zwangsarbeiter bei öffentlichen Bauvorhaben zum Einsatz.

Gleichzeitig mit den Bettelverboten entstand die institutionalisierte Armenpflege, um den Lebensstil des Landstreichens und Bettelns samt allen Wurzeln ein für alle Mal auszurotten. Vielerorts wurde zur Finanzierung eine eigene Armensteuer erhoben. Und zusätzlich versuchte man es nun mit Einsperren. Neue Gesetze sorgten dafür, dass Bettler Verbrechern gleichgestellt waren, auch wenn sie sich nicht das Geringste zu Schulden kommen ließen. Keine ermutigende Erfahrung, wie so manche Lebensgeschichten zeigen. Die Gefängnisse hielten dem plötzlichen Massenansturm nicht stand, und so baute man fleißig neue und errichtete zusätzlich eigene "Besserungsanstalten", gleichzeitig als Strafe und Unterstützung gedacht. Ihr Ruf war von Anfang an der denkbar schlechteste und eine lebenslängliche Stigmatisierung die Folge.

In einigen deutschen Städten versuchte man sich gegen die fremden Bettler dadurch zu helfen, dass man ihnen das Betteln nur für eine gewisse Zahl von Tagen und nur an bestimmten Orten gestattete, denn ein unbedingtes Verbieten des Bettelns war wegen der vielen auf Almosen angewiesenen Wallfahrer jener Zeit nirgends möglich und ein solches trat daher erst in Folge der Reformation ein, welche den Pilgerfahrten in ganzen Ländern ein Ende machte.

Die Zahl der Fremden wie der einheimischen Bettler würde überall nicht wenig vermehrt durch die vielen am Aussatz leidenden Menschen, welche wegen der Langwierigkeit dieser Krankheit und wegen der Ansteckung, mit der sie die anderen Leute bedrohten, am Broterwerb verhindert waren. Diese Unglücklichen hielt man geradezu für berechtigte Bettler, und sogar die in die Gutleuthäuser aufgenommenen aussätzigen waren förmlich zum Bettlen privilegiert. Sie durften aus ihren vor den Toren der Städte liegenden Spitälern in die Städte ziehen, um Almosen einzusammeln. In Frankfurt verbot man ihnen anfangs dies nur während der Messe, in welcher die Anwesenheit solcher Menschen, bei dem Gewühle auf den Strassen, sehr bedenklich war. Später untersagte man ihnen den Eintritt in die Stadt gänzlich und erlaubte ihnen statt dessen, vier aus ihrer Mitte zu senden, welche auf der Brücke Almosen erbetteln durften. Bloß am Karfreitag gestattete man allen hereinzukommen und auf der Brücke zu betteln, jedoch nur während des Vormittags. Auch in Nürnberg durften die Aussätzigen nur während der Karwoche zum Betteln in die Stadt kommen. In Frankfurt hob man am Ende des Mittelalters die angegebene Einrichtung wieder auf und stellte dagegen einen sogenannten Klingelmann an, welcher mit Schelle in der Stadt umher zog und für die Aussätzigen einsammelte.

Auch sollte hier noch eine eigene Art fremder Bettler erwähnt werden, die sogenannten fahrenden Schüler (siehe hierzu auch Kammesierer im Liber Vagatorum). Es waren junge Leute, die sich dem herumziehenden Leben ergeben hatte und gewöhnlich zu grober Unsittlichkeit entartet waren. Sie wurden schon im 13. Jahrhundert als eine sittliche Pest angesehen. Ihre Existenz und ihr Treiben waren nur in einem Zeitalter möglich, in welchem man von polizeilicher Ordnung wenig wusste. In der Stadt Worms bestand 1390 sogar eine Bruderschaft der fahrenden Schüler. In Nürnberg wurden sie nicht länger als je drei Tage geduldet, falls sie nicht die Schule regelmäßig besuchten und sich vorschriftsmäßig betrugen.

 

Bettlerordnungen

1363 Kolmar, Erlass, dass Frauen bei Strafe vierwöchiger Ausweisung untersagt ist, Männer anzubetteln, wenn sie nicht die Erlaubnis vom Rat erhalten dazu haben.

In Nürnberg durften 1478 Nicht-Bürger, außer an gewissen Festtagen, ohne besondere Erlaubnis alle Vierteljahre nur zwei Tage lang betteln, wenn sie nachwiesen, dass sie das Vaterunser, das Ave Maria, das Glaubensbekenntnis und die zehn Gebote auswendig wussten. Einheimische durften nur betteln, wenn sie arbeitsunfähig und folglich des Almosens bedürftig waren und dass sie dafür ein von ihnen zu tragendes Abzeichen erhalten hatten. Ebenso wurde hier festgelegt, dass ihre Inhaber "... ohne eigene Schuld, etwa weil ihr Haus abbrannte oder weil sie wegen ihres christlichen Glaubens vor den Türken fliehen mussten, verarmt sind" Ihre Namen wurden in ein besonderes Buch eingetragen. Die ihnen erteilte Erlaubnis galt nur für ein halbes Jahr und musste dann erneuert werden. Für das Betteln in der Kirche war ein besonderer Platz angewiesen, nämlich zu beiden Seiten der Haupteingangstüre. Fremde Bettler mussten nach drei Tagen die Stadt wieder verlassen.

1489 in Frankfurt am Main werden zwei Männer zur Beaufsichtigung ernannt, die die Blechschilde der Bettler kontrollieren sollen. Sie trugen gleich den Richtern Stäbe als Abzeichen, trieben fremde Bettler aus der Stadt und erhielten für ihre Mühewaltung wöchentlich zwei Laibe Brot aus dem städtischen Almosenkasten. Sie wurden Bettelmeister genannt, später dann Bettelvögte.

1493 gab es sich zu Frankfurt am Main, dass ein sogenannter Stolzenerer oder Kambisierer, welche die fallende Krankheit zu haben vorgab und dies durch falsche Briefe nachzuweisen suchte, wegen des letzteren Umstandes zur Strafe verbrannt wurde.

In Augsburg war, nach der gedruckten Almosen-Ordnung von 1522, fremden Bettlern das Verweilen in der Stadt nur auf drei Tage erlaubt. Während dieser Zeit durften sie nur vor den Kirchen und Wohnhäusern, nicht aber in beiden betteln. Auch in Nürnberg war sowohl den Fremden, wie den Einheimischen, das Betteln an zwei Tagen (Allerheiligen und Allerseelen) gestattet.

1523 untersagte der Rat von Straßburg erstmals den Gassenbettel und man sah das Betteln sogar als eine besondere Art von Gewerbe an. Da das Gassenbetteln ganz verboten war, wurde in jeder Kirche eine Almosenkiste aufgestellt, deren Inhalt man wöchentlich an die Armen austeilte.

In Baden-Baden, wohin außer den Pilgern auch manche des dortigen Heilbades bedürfende Arme kamen, war 1528 den ersteren das Betteln nur für einen Tag gestattet, die Letzteren aber durften nicht länger als drei Wochen verweilen und mussten, wenn sie betteln wollten, sich eine besondere Erlaubnis dazu verschaffen.

 

Die ausführlichsten Bettelordnungen, welche am Ende des Mittelalters abgefasst wurden, der Nürnbergischen und der Augsburgerischen, hatte man das Bettlerwesen damals auf folgende Weise geregelt:

Kein Mensch sollte befugt sein zu betteln, wenn er nicht durch diejenigen, welche mit der Leitung des Armenwesens betraut waren, die Erlaubnis dazu, sowie ein dies bekundendes Abzeichen erhalten hatte. Ein auf solche Weise berechtigter Bettler durfte jedoch nur auf offener Straße und vor den Kirchen betteln - nicht in den Kirchen. Bei schlechtem Wetter durften die Bettler an den Kirchentüren stehen oder sitzen, allerdings von hier aus keinen Menschen um ein Almosen ansprechen. Von ihren eigenen Kindern durften sie beim Betteln nur diejenigen bei sich haben, welche nicht über acht (in Augsburg nicht über zehn) Jahre alt und folglich noch nicht arbeitsfähig waren. Die Nürberger Bettlerordnung enthielt ausserdem noch folgende Vorschrift. Den über acht Jahre alten Kindern von Bettlern sollten die Almosenherren einen Dienst in der Stadt oder auf dem Lande verschaffen. Bettler, die sich schämten, bei Tage zu betteln, sollten ein besonderes Zeichen erhalten und im Dunkel der Nacht betteln dürfen, jedoch nur während der zwei ersten Stunden der Sommer- und der drei ersten der Winternächte, sowie mit einem Licht versehen. Offene Leibesschäden mussten die Bettler, bei Strafe einjähriger Verbannung, verdeckt halten. Denselben war außerdem, wenn sie nicht lahm, blind oder Krüppel waren, verboten beim Betteln müssig zu stehen. Sie sollten vielmehr dabei spinnen oder eine andere Arbeit verrichten. Es durfte zwar jeder berechtigte Bettler, so lange er auf der Straße ging, sein Almosen ersingen, stehend oder sitzend, aber sollte er dies ebenso unterlassen, wie das Vorzeigen eines Bildes eines merkwürdigen Tieres und dergleichen mehr.

Das Betteln armer Schulkinder, welches in der Form von Singen vor den Häusern geschah, war in vielen Städten zu Ende des Mittelalters gebräuchlich, allerdings sind hier aus dem Verlauf des Mittelalters fast keine Aufzeichnungen zu finden.In Augsburg und Nürnberg war durch die Bettlerordnungen von 1522 und 1478 auch dieser Brauch gesetzlich geregelt worden. Dort durften nämlich nur solche Schüler, welche von den Lehrern ein gutes Zeugnis ihres Fleißes und ihrer Sitten erhalten hatten, "um das Almosen gehen und singen". In Augsburg wurden ihnen dafür Abzeichen gegeben.

Solche Bettlerbriefe, wie sie in vielen Städten Anwendung fanden, waren leicht zu fälschen und wurden schwarz gehandelt. Räuberbanden benutzten sie unberechtigt und am Ende standen als die Schuldigen immer wieder "Zigeuner" da.

 

Im "Liber Vagatorum" werden die verschiedenen Bettlertypen erstmals einzeln beschrieben:

Breger: das sind Bettler, die kein Zeichen wie einen Heiligen oder wenig Kleidung an haben. Ihr Erscheinungsbild ist schlecht und einfältig. Sie haben keine besonderen Qualitäten.. Sie betteln untergeben und einfach bei den Menschen um Almosen um Gottes oder der heiligen Jungfrau Willen.

Es gab auch etliche obdachlose Männer mit ihren Kindern, die in der Stadt oder ihrem Dorf wohl bekannt waren, welche um mit ihrer Arbeit oder anderen ehrlichen Dingen weiter zu kommen im Zweifel vom Betteln abließen. Denn mancher frommer Mann der mit Unwillen bettelte und sich schämte, vor denen die ihn kannten und wussten dass er früher genug hatte und jetzt betteln muss, musste er barfuß erscheinen und unterließ das Betteln. Allerdings ist den Bettlern etwas zu geben, wenn es wohl angelegt ist.

Stabüler: Dies sind Vagabunden, die durch das Land ziehen, von einem Heiligen zum nächsten. Ihre Frauen und kinder zogen mit ihnen. Ihre Hüte und Umhänge waren voller Zeichen. Ihre Umhänge waren aus hunderten von Teilen gefertigt. Sie gingen zu den Passanten, die ihnen Brot gaben. Jeder dieser Stabüler hatte sechs oder sieben Säcke bei sich, in denen er Töpfe, Pfannen, Löffel, Gabel und alle andere Habe für die Reise bei sich trug. Weder die Stabüler, noch ihre Kinder ließen vom Betteln ab, bevor sie starben. Handschuhe hielten ihre Finger warm und sie wollen oder können niemals arbeiten.Ihre Kinder wuchsen in den Gilden auf um Huren oder Hurenhändler, Henker oder Mörder zu werden. Wo immer sie in den Städten auftauchten, bettelten sie. An einem Haus für Gottes Willen, an einem anderen zum Willen vom hl. Valentin, an einem dritten zum Willen vom hl. Quirin, je nach Gesinnung der Leute, wo sie nach Almosen bettelten. Sie vertrauten niemals einem Patron oder einer Methode alleine.Die Schlussfolgerung daraus: Gib ihnen etwas, wenn du willst, da sie zur Hälfte gut und zur Hälfte schlecht sind. Nicht alle sind schlecht, aber die meisten.

Loßner (oder ehemalige Gefangene): Dies sind Bettler, die sagen, sie seien sechs oder sieben Jahre in Gefangenschaft gewesen. Sie tragen die Ketten ihrer Gefangenschaft mit sich. Viele erzählen, sie seien auf Galeeren oder in Türmen unschuldig angeschmiedet gewesen. In einem fernen Land haben sie dem dortigen Fürsten ein Gelübte bei einem Heiligen, dem sie ein Pfund Wachs, ein silbernes Kreuz und ein Messgewand versprochen hatten, abgelegt. Dies habe ihnen geholfen unversehrt frei zu kommen. Man findet Gesellen auf Wanderschaft, die alle Siegel gefälscht, Ketten besorgt und Gewänder aus Fetzen angefertigt oder geklaut haben. Diesen Bettlern soll man nichts geben, da sie mit "Foppen", Lug und Trug umherziehen und unter tausenden nicht einer die Wahrheit spricht.

Kleckner: Dies sind Bettler, die auch oft an allen Messtagen und Kirchweihen vor den Kirchen sitzen. Ihre Schenkel sind gebrochen oder es fehlen ihnen Hände oder Arme. Manche tragen Ketten bei sich und sagen sie wären unschuldig gefangen gewesen und haben gewöhnlich eine Figur eines hl. Sebastian oder einem hl. Leonhard oder einem anderem Heiligen bei sich, in dessen Namen sie mit wimmerlicher Stimme betteln. Gar jedes dritte Wort ist gelogen und der Mensch wird dadurch beschissen. Mancher erzählt, sein Schenkel oder sein Fuß ist in der Gefangenschaft abgefault, oder ihm wurde seine Hand im Krieg in einem Spiel um Huren abgehauen.Andere verbinden einen Schenkel oder einen Arm und gehen auf Krücken, obwohl sie kein Gebrechen haben.

Dobisser oder Dopffer: Dies sind Bettler, die von Haus zu Haus ziehen und die Häuser segnen im Namen der Jungfrau oder einem anderen Heiligen und sagen sie seien von der Kapelle der heiligen Jungfrau und sie seien Brüder dieser Kapelle. Zudem sei die Kapelle arm und bitten um Flachsgarn für ein Altartuch, etwas Bruchsilber für einen Kelch (welches sie versaufen oder verspielen können) oder um Handtücher, an denen sich die Priester die Hände trocknen können (welche ebenso verkauft werden). Auch sitzen Dobisser auch vor verfallenen Kirchen mit Brief und Siegel oder geben vor eine neue Kirche zu bauen und sie würden Geld für dieses neue Gotteshaus sammeln. Die Schlussfolgerung daraus: Gib diesen Dobissern niemals etwas, denn sie belügen und betrügen dich. Allerdings sollte man frommen Menschen, in einem Umkreis von zwei oder drei Meilen um eine Kirche betteln, so viel geben wie man kann oder möchte.

Kammesierer: Das sind Bettler, die vorgeben Scholaren (fahrende Schüler) oder Studenten zu sein, die weder Vater noch Mutter gehorchen und auch den Lehren ihres Meisters nicht folgen. Daher gingen sie weg und kamen in schlechte Gesellschaft und lernten die Wanderschaft kennen. Diese Gesellschaft half ihnen all ihr Hab und Gut zu verspielen, zu versetzen oder es bei Zechgelagen zu verlieren. Und als sie nichts mehr hatten erlernten sie das Betteln, Hausieren und stehlen, und sie stahlen alles. Sie kamen von Rom - aus dem Bordell - und wollen am Galgen Priester werden. Einer ist Altardiener, ein anderer Magister der Evangelien, ein vierter Kleriker. Sie haben nichts auf Erden, aber die Almosen aller Menschen helfen ihnen. All ihre Freunde und ihre Familie sind schon längst gestorben. Sie weben gegen ein Almosen Flachs zu Leinenhemden. Geld, das sie am nächsten Christtag weihen lassen möchten und in einem Bordell ausgeben. Alles, das sie verdienten oder ergaunerten, verspielten, versetzten oder versoffen sie bei Zechgelagen. Sie tragen Tonsuren, obwohl sie keine Ornate tragen und haben keine Kirchendokumente, auch wenn sie behaupten, sie hätten welche. Alle zusammen hatten ein schweres Schicksal. Die Schlussfolgerung daraus: Gib ihnen nichts, denn jede Kleinigkeit, die du ihnen gibst, hilft ihnen und desto länger bleiben sie. Außerdem haben sie jedwedes Benehmen vergessen.

Vagabunden und Streuner: Dies sind Bettler oder Abenteurer, die gelbe Gewandung tragen, vom Venusberg kommen, sich mit den schwarzen Künsten auskennen und fahrende Schüler genannt werden. Sobald sie ein Haus betreten sagen sie folgendes auf: "Hier kommt ein fahrender Schüler der sieben freien Künste, ein Meister (die Häuser zu bestehlen), ein Beschwörer des Teufels, des Hagels, des Wetters und der Ungeheuer." Danach sprach er ein paar magische Worte und bekreuzigte sich über der Brust zwei bis drei Mal, gefolgt von den Worten: "Wo diese Worte werden gesprochen, da wird niemand erstochen. Keinem Unglück widerfahren, hier und in allen Landen." und viele andere schönen Worte. Somit glaubten die Bewohner des Hauses, dass es so sei und waren froh des er vorbei kam, da sie noch nie einen fahrenden Schüler gesehen hatten. So sprachen sie mit ihm frei vom Herzen, ob er sie mit seinem Wissen vor dem Teufel bewahren könne. Da die Menschen keine Ahnung von den Praktiken hatten wurden sie beschissen und um ihr Geld betrogen. Die Schlussfolgerung daraus: Hüte dich vor diesen Vagabunden, denn alles ist erlogen.

Grantner: Dies sind Bettler, die im Haus schlechtes sprechen: "Ach sieh mich an lieber Freund, ich bin beschwert mit den schweren Siechtagen des hl. Valentin." oder des hl Anthonius oder eines anderen Heiligen. "und ich habe gelobt zu Ehren des heiligen (siehe oben) mit sechs Pfund Wachs, mit einem Altartuch und mit einem silbernen Opfer ... als Gaben und der Hilfe frommer Leute zu sammeln. So bitte ich Euch um einen Heller, ein Rüfchen Flachs und etwas Garn für den Altar, so dass Euch Gott und der liebe Heilige wohl behüte vor den schweren Sichtagen." Anmerkung: eine Lüge! Manche fallen auch vor den Kirchen auf die Knie mit einem Stück Seife im Mund, der ihnen heraus fließt, und stechen sich mit einem Halm in die Nase, dass sie blutet, um es aussehen zu lassen, dass sie die Siechtage hätten. Anmerkung: Das ist absolute Gaunerei. Dies sind schändliche Landstreicher überall im Land. Es gibt viele die Euch erzählen: "Höre, lieber Freund. Ich bin eines Metzgers Sohn, ein Händler. Eines Tages kam ein Bettler zu meines Vaters Haus und hat im Namen des heiligen Valentin gebettelt. Mein Vater gab mir einen Pfennig, den ich dem Bettler bringen sollte, aber ich gab ihm ihn nicht. Seit diesem Tage hat mich die Fallsucht gepackt. Ich habe gelobt dem hl. Valentin drei Pfund Wachs und eine heilige Messe mit Hilfe frommer Leute zu erbetteln. Dies hab ich geschworen, sonst hätte ich von mir selbst genug. Darum bitte ich Euch um eine Spende und der heilige St. Valentin möge Euch behüten und beschützen." Alles was der Bettler sagte ist erlogen. Alles, was er in den letzten 20 Jahren an Wachs und für die Messe erbettelt hat, wurde verkauft und versetzt. Und es gibt viele, die diese und andere subtilen Worte benutzen, wie man hier sieht. Etliche haben Brief und Siegel, dass alles wahr ist. Die Schlussfolgerung daraus: Wer die Grantner vor seinem Haus oder vor den Kirchen trifft und welche für Gottes Willen betteln, ohne viel blumige Sprache, denen sollte man etwas geben, denn mancher Mensch ist von den schweren Siechtagen befallen sind. Aber die Grantner, die viele Worte brauchen und von großen Wunderzeichen erzählen und wie sie gelobt hätten, können wohl mit ihrem Maul umgehen. Das ist ein sicheres Zeichen, dass sie dies schon lange tun. Ohne Zweifel sind sie falsch und unrecht. Sie schwätzen dir eine Nuss vom Baum, dass man ihnen glaubt. Hüte dich vor ihnen und gib ihnen nichts.

Dutzer: Dies sind Bettler, die erzählen dass sie lange krank waren und deswegen zu einer schweren Pilgerfahrt zu einem Heiligen aufgebrochen sind. Hierfür brauchen sie jeden Tag drei ganze Almosen und wollen deswegen jeden Tag von Haus zu Haus gehen bis sie drei fromme Menschen finden, die ihnen die drei ganzen Almosen geben. Wenn ein frommer Mensch fragt, was denn ein ganzes Almosen ist, antwortet der Dutzer: "ein Blaphart, von diesen muss ich jeden Tag drei haben und wenn ich weniger nehme, hilft die ganze Fahrt nicht." Im Allgemeinen geben etliche drei Pfennig, etliche geben ein Pfennig. Und das Almosen mussten sie von einem unversprochenen Menschen bekommen, so ist es die Art der Frauen, dass sie nicht als unfromm gelten, dass sie zwei Plaphart geben. So werden den Dutzern wohl hundert Plaphart am Tag gegeben und alles, das sie erzählen, ist gelogen. Es heißt auch "gedutzt", wenn ein Bettler an dein Haus kommt und sagt: "Liebe Frau, ich wollte euch um einen Löffel Butter und ein Ei, für meine vielen kleinen Kinder, bitten, damit ich ihnen eine Suppe machen kann." oder "Meine Frau hat erst vor acht Tagen ein Kind geboren und ich bräuchte etwas Wein" oder "Ich habe eine kranke Frau" ... das alles heißt "dutzen" Die Schlussfolgerung daraus: Gib den Dutzern nie etwas, da sie erzählen, sie hätten gelobt nie mehr als drei oder vier ganze Almosen am Tag zu sammeln. Sie sind halb Hund und halb unbeholfen, halb gut und halb böse. Der größere Teil ist aber böse.

Schlepper: Das sind Kammisierer, die sich als Priester ausgeben. Sie kommen mit einem Schüler in die Häuser, der ihren Sack trägt und sie sagen: "Hier kommt eine geweihte Person namens Jörg Kessler von Kitzbühel, wie er sich auch immer nennen möchte, und bin aus dem Dorf / von dem Geschlecht / und nennt ein Geschlecht, das wohl bekannt ist, und möchte heute meine erste hl. Messe im Dorf halten. Ich bin geweiht auf den Altar im Dorf oder in der Kirche allerdings habe ich kein Altartuch und auch kein Messbuch etc. Ohne Sondersteuer und Hilfe aller Menschen vermag ich dies nicht zu vollbringen. Denn diejenigen, die sich in den engelschen dreißig Messen mit einem Opfer empfehlen oder manchen Pfennig gibt, aus dessen Geschlecht wird manche Seele erlöst. Sie schreiben auch die Bauern und Bäuerinnen in eine Bruderschaft ein, von der sie sagen, dass diese von einem Bischof mit Gnad und Ablas zugelassen sei. Hierdurch soll der Altar finanziert und die Menschen bewegt werden, Gaben zu geben. Der eine gibt Garn, dar andere Flachs oder Hanf, einer Tischlaken oder Handtücher oder Bruchsilber. Zudem sei es keine Bruderschaft, wie es alle anderen anbieten, denn diese kommen jedes Jahr, aber er kommt nicht mehr (denn würde er wieder kommen, würde er ertränkt). Diese Narrung wird überall im Schwarzwald und im bregenzer Wald, im Kurwald und in der Bar, im Allgäu, im Etschtal und in der Schweiz betrieben. Überall dort, wo wenige Priester sind oder die Kirchen und die Höfe weit auseinander stehen. Die Schlussfolgerung daraus: Gib diesen Schleppern oder Buben nichts, denn es ist schlecht angelegt. Zum Beispiel: Einer hieß Mansuetus, welcher auch Bauern auf seine erste Messe in St. Gallen einlud. Als diese dann nach St. Gallen kamen und ihn im Münster suchten, fanden sie ihn nicht. Nach dem Essen fanden sie ihn im Bordell, aber er entkam.

Zickissen: Zickissen sind Blinde, allerdings gibt es drei Kategorien auf Wanderschaft.

Etliche werden Blocharten genannt, das sind Blinde, die "von Gottes Gewalt" blind sind. Sie gehen auf Wallfahrt und wenn sie in eine Stadt kommen, so verstecken sie ihre Gugeln und erzählen den Leuten, dass ihnen diese gestohlen worden sei oder sie diese verloren haben. So sammeln sie zehn oder zwanzig Kappen, um diese anschließend zu verkaufen.

Etliche werden Blinde genannt. Sie wurden geblendet wegen ihrer Missetaten oder ihrer Bosheit. Sie wandern durch das Land und tragen gemalte Täfelchen bei sich. So ziehen sie vor Kirchen und tun so, als ob sie in Rom und zu St. Jakob oder anderen fernen Orten gewesen wären. Sie erzählen von großen Wundern, die dort geschehen sein sollen, aber das ist alles Betrug und Beschiss.

Etliche Blinde werden "die mit dem Bruch wandeln" genannt. Dies sind diejenigen, welche vor zehn Jahren oder mehr geblendet wurden. Sie nehmen Tüchlein, machen dieses blutig und binden es sich über die Augen. Sie erzählen, sie seien Kaufleute oder Krämer gewesen und in einem Wald von bösen Leuten geblendet worden und sind drei oder vier Tage an einem Baum gestanden. Und wären nicht unerwartet Leute vorbei gekommen, wären sie dort gestorben. Das heißt mit dem Bruch gewandelt. Die Schlussfolgerung daraus: Überlege dir, ob du ihnen etwas geben willst. Mein Rat: nur den Bekannten.

Schwanfelder oder Blickschlaher: Diese Bettler lassen ihre Kleider, wenn sie in ein Land kommen in den Herbergen und sitzen nackt und jämmerlich zitternd vor den Kirchen. So dass die Leuten meinen sie frieren sehr. Sie geiseln sich mit Brennnessel oder anderen Dingen, dass sie "leuchten". Viele erzählen, sie seien von bösen Leuten beraubt worden. Etliche sagen sie seien krank gewesen und haben ihre Kleider versetzen müssen. Viele erzählen, die Kleider seien ihnen gestohlen worden. Sie sagen dies, damit ihnen die Leute Kleidung geben, die sie verkaufen, verspielen oder versetzen können. Die Schlussfolgerung daraus: Hüte dich vor diesen Schwanfeldern, denn es sind Bubenstreiche und gib ihnen nichts, egal ob Frau oder Mann, ausser du kennst sie.

Vopper und Vopperin: Dies sind meist weibliche Bettler, die sich in Ketten führen lassen, als ob sie wahnsinnig wären. Sie zerren sich die Schleier und Kleider vom Leib, um so die Leute zu betrügen. Es gibt auch viele, die ihre Betrügerei mit Lügen betreiben. Sie erzählen über die Frau oder den anderen Menschen, anstatt zu betteln, dass sie oder er von einem bösen Geist besessen sei (was nicht stimmt) und sie haben gelobt die Person zu einem Heilige, welchen er dann nennt, zu bringen. Und für zwölf Pfund Wachs oder andere Sachen soll dieser Mensch von dem bösen Feind erlöst werden. Das heißt Vopper, die lügen. Die Schlussfolgerung daraus: Es ist ein böser falscher Betrug. Man singt: Welcher Bettler ein Meister hat, die nicht lügen und betrügen wird erschlagen mit einem Schuh.

Es gibt auch etliche Vopperinnen, die so tun als ob sie Beschwerden an der Brust hätten. Sie nehmen eine Milz, schälen sie auf einer Seite und legen sie über die Brust und hängen die geschälte Seite heraus und bestreichen diese mit Blut, so dass man meinen sollte es sei ihre Brust.

Dallinger: Das sind diejenigen, die vor den Kirchen stehen und sagen, sie seien Henker gewesen und haben es vor ein oder zwei Jahren aufgehört. Sie schlagen sich selbst mit Ruten und wollen Buße tun und auf Wallfahrt gehen, um sich von ihren Sünden zu befreien. Sie erbetteln viele Güter damit. Wenn sie die Leute eine Weile damit betrogen haben, werden sie wieder Henker wie zu vor. Gib ihnen, wenn du willst, es sind Buben, die solches treiben.

Dützbetterin: Dies sind Bettlerinnen, die sich im ganzen Land vor die Kirchen legen. Sie decken sich mit einem Leintuch zu, legen Wachs und Eier vor sich, um Glauben zu machen, dass sie eine Kindbetterin wären. Sie erzählen ihnen sei vor vierzehn Tagen ein Kind gestorben, was ihr in den letzten zehn oder zwanzig Jahren nie passiert sei. Ihnen soll man nichts geben, weil: "Es lag einmal ein Mann in Straßburg unter einem Leinenlaken vor dem Münster und es wurde behauptet, es sei eine Kindbetterin. Dieser wurde von der Straße aufgehoben und gefangen genommen. Ihm wurde ein Halseisen angelegt und er wurde verbannt.

Süntveger: Dies sind starke Knechte mit langen Messern, die durch die Lande ziehen und erzählen, sie hätten jemanden in Notwehr getötet. Sie nennen dann eine Summe Geld, die sie aufbringen müssen. Wenn sie diese nicht aufbringen können, wolle man ihnen den Kopf abschlagen. Viele von ihnen haben einen Freund dabei, der sogar in Eisenketten und Fesseln mitgeht. Dieser spricht er sei für eine Summe Geld, die er dann nennt, Bürge von dem anderen und hat er das Geld nicht am Zahltag, so müssen beide sterben.

Süntfegerin: Dies sind die Frauen der vorgenannten Knechte oder ein Teil ihrer Gilde. Sie laufen über das Land und erzählen, sie hätten ein loses Leben geführt und sie wollen sich nun bekehren von ihren Sünden und betteln das Almosen um der heiligen Maria Magdalena Willen und betrügen so die Leute.

Biltregerin: Diese Frauen binden sich alte Wämse, Flicken oder Kissen auf den Leib und ihre Kleider, so dass man meinen sollte sie würden ein Kind bekommen und hätten in den letzten 20 Jahren keines bekommen. Dies wird als "mit der Beule gegangen" bezeichnet.

Jungfrauen: Dies sind Bettler, die Kläpperlein tragen, als ob sie aussätzig wären und doch nicht sind. Dies wird als "mit der Jungfrau gegangen" bezeichnet.

Mumsen: Dies sind Bettler, die im Schein der Bettler wandeln, aber keine sind. Sie laufen in den Kutten der Nolbrüder herum und sagen sie seien die freiwillige Arme. Sie haben aber ihre Weiber an heimlichen Ecken sitzen und gehen ihrem Gewerbe nach. Das heißt: "in der Mumschen gegangen".

Über Sontzengeher: Dies sind die Landstreicher oder Bettler, die sagen, sie seien Edle und wegen des Krieges, Brandes oder Gefängnisses halb vertrieben und beraubt worden. Sie sind sauber gekleidet, als ob sie Edle wären - auch wenn sie es nicht sind - und haben falsche Papiere dabei.

Kandierer: Diese Bettler sind säuberlich gekleidet und geben sich als Kaufleute von Übersee aus. Sie haben einen Brief von einem Bischof dabei und erzählen sie seien beraubt worden.

Veranerin: Dies sind Frauen, die erzählen sie seien getaufte Jüdinnen und Christinnen geworden. Sie könnten den Leuten sagen, ob deren Vater oder Mutter in der Hölle ist, oder auch nicht und betteln den Leuten Röcke und Kleider, sowie andere Dinge ab.Sie tragen ebenfalls gefälschte Briefe und Siegel bei sich.

Christianer oder Calmierer: Dies sind Bettler, die Zeichen an den Hüten tragen, besonders römische Veronika und Muscheln, sowie andere Zeichen. Sie kaufen die Zeichen von anderen Bettlern, so dass man glauben sollte, sie seine an den betreffenden Orten gewesen, auch wenn sie nie dort waren und so betrügen sie die Leute.

Seffer: Dies sind Bettler, die sich mit einer Salbe von oben bis unten einstreichen, damit es aussieht, als ob sie lange krank gewesen wären. Sie legen sich so vor die Kirchen.Wenn sie nach drei Tagen dann in ein Bad gestiegen sind, ist alles wieder abgegangen.

Schweiger: Dies sind Bettler, die Pferdemist nehmen, diesen mit Wasser vermengen und Beine, Hände und Arme damit bestreichen. Das sieht dann aus, als ob sie die Gelbsucht oder andere Siechtage. So betrügen sie die Leute.

Burkart: Das sind diejenigen, die ihre Hände in Handschuhe stopfen oder sich eine Binde um den Hals hängen und sagen sie würden dem hl. Antonius oder einem anderen Heiligen Buße tun. Da dies nicht der Wahrheit entspricht, betrügen sie so die Leute.

Platschierer: Dies sind die Blinden, die auf den Stufen vor den Kirchen stehen, die Laute spielen und dazu singen - oftmals von fernen Ländern, wo sie nie hinkommen werden.Wenn sie mit Singen fertig sind, lügen sie herum, wie sie blind geworden seien. Die Henker platschieren auch, wenn sie sich nackt ausziehen und sich selbst mit Ruten schlagen oder geiseln um ihrer Sünde Willen, denn der Mensch will betrogen werden, wie man hier gelesen hat. Auch sind die, die auf den Stufen stehen und sich mit Steinen oder anderen Dingen schlagen und von den Heiligen singen, gewöhnlich Henker oder Schinder.

 

Diese Beschreibung ist natürlich noch lange nicht vollständig, da es noch viele andere Arten der Bettelei gab. Der Einfallsreichtum war hier unermesslich.

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