Keiner der vielen Räuber wurde berühmter als der berüchtigte "Schinderhannes", dem vor mehr als 200 Jahren französische Behörden das Handwerk legten und welcher als Hauptmann das Kommando einer Räuberbande am Oberrhein im achtzehnten Jahrhundert inne hatte. Dieser Johannes Bückler, wie Schinderhannes hieß, wurde 1778 als Sohn eines armen "Wasenmeisters", das heißt Abdeckers, geboren. Andere Aufzeichnungen sprechen aber auch von 1779. Selbst der Geburtsort ist ungeklärt, so sei er zu Mühlen "Miehlen" im Taunus oder zu Unstädten in der Grafschaft Ketzenellenbogen geboren. Sein Vater stammte aus Merzweiler bei Grumbach, nördlichster Teil der Rheinpfalz, wo die Familie seit 1787 wieder lebte.

Seine Vorfahren lebten auf der Wallenbrück in Womrath auf dem Hunsrück. Die Mutter Anna Maria, geborene Schmidt, kam aus Miehlen bei Nastätten im Hintertaunus. Die Eltern Bücklers flüchteten 1783 wegen eines Holzfrevels und eines Wäschediebstahls der Mutter aus Miehlen. 1784 ließ sich der Vater für sechs Jahre vom österreichischen Heer anwerben. Er diente in Mähren, desertierte 1787 und kehrte zunächst in seinen Geburtsort Merzweiler zurück.

Aber weil der Schinderssohn Johannes, daher: "Schinderhannes", für ein lustiges Leben unter den Altersgenossen Geld brauchte, geriet er auf Abwege. Hannes, der schon als Kind und Halbwüchsiger Mein und Dein verwechselte, verlegte sich eines Tages auf systematischen Hammeldiebstahl als "Nebeneinnahmen". Im Alter von 14 Jahren stahl Bückler nach seiner eigenen Aussage vor Gericht seinem Meister sechs Kalbfelle und eine Kuhhaut und verkaufte diese. Nachdem er entdeckt worden war, wurde er öffentlich ausgepeitscht. 1792, als französische Truppen das gesamte linksrheinische Gebiet besetzt hatten und damit den Hunsrück in einen anarchischen Zustand versetzten, trieben Hunger, Arbeitslosigkeit und das Fehlen der alten Ordnungsmacht suchten über zwanzig Prozent der Bevölkerung ihr Heil und Überleben in Diebstahl und Raub. Nagel, ebenfalls Abdecker und sein Lehrmeister zu Bärenbach im Hunsrück, erstattete u. a. Anzeige 1795 und ließ Hannes in Kirn an der Nahe verhaften. Aber der Sechzehnjährige entwich nachts über das Dach des Rathauses. Schinderhannes war damit ein ausgebrochener Dieb, dem die Rückkehr in die geordneten Lebensformen der bürgerlichen Gesellschaft verschlossen blieb. Das abenteuerliche Räuberleben der Jahre 1796 bis 1802 im Raum zwischen Saarbrücken und Mainz begann. In dieser Zeit muss sich Bückler einer Bande angeschlossen haben, zu der unter anderen auch der noch heute aus Kinderkartenspielen als "Schwarzer Peter" bekannte Johann Peter Petri gehörte. Nur wenig später wurde Bückler, durch seine Schnelligkeit wie auch seine Lesefähigkeit ausgezeichnet, Anführer dieser Bande, die dann auch begann, Morde zu verüben.

Carl Zuckmayer umschrieb den Hunsrückräuber in seinem Schinderhanneslied mit den Worten: "Das ist der Schinderhannes, Der Lumpenhund, der Galgenstrick, Der Schrecken jedes Mannes, Und auch der Weiber Stück".

 

Von der Nahe nach Hessen und Heidelberg

Seitdem treibt sich Johannes Bückler zuerst verwahrlost auf dem Hunsrück herum, bis er unter Spießgesellen sein Diebesleben fortsetzt. Bald bestiehlt er einen Gerbermeister zu Meisenheim am Glan und verkauft die gestohlenen Häute am nächsten Tag wieder dem Eigentümer, der seine Lagerbestände offenbar kaum kannte und auf die gewandten Manieren des Bauernburschen herein fiel. Regelmäßig bricht Schinderhannes zunächst seitdem in unbewachte Pferdeställe in zahlreichen Orten des Nahegebietes ein und schafft die Beute gegen hohe Belohnung den Eigentümern wieder zurück. Kleinvieh, Textilien, Wertgegenstände ergänzen den "Handel" vortrefflich.. Jede Flucht gelingt, sobald Gendarmerie ihn festnimmt. Von Tag zu Tag steigt sein Ansehen. Ja, der Ruhm des Räubers beginnt selbst "Kollegen" zu faszinieren, während die abergläubische Bevölkerung Schinderhannes mit dem Teufel im Bunde glaubt.

Wird der Boden des linken Rheinufers unter den Füßen zu heiß, wandert Schinderhannes unter dem Namen "Krämerjakob" oder "Jacob Ofenloch" mit einem "Bauchladen" auf das rechte, wo er im Hessischen weilt und einmal sogar bis Heidelberg und zum Oberrhein zieht.

 

Der "Räuberfürst" vom Hunsrück

Die Bande des Schinderhannes bestand aus ein bis drei Dutzend Mitgliedern, die bedarfsweise durch Boten zusammengerufen wurden, also durchaus normalen Tätigkeiten nachgingen. Die Bande lebte nicht nur von Diebstählen und Raub, sondern auch Erpressungen, die vor allem über Briefforderungen ausgeführt wurden. Bei Entführungen wurden aber die Opfer hier und da trotz Lösegeldzahlungen ermordet. Auch gilt heute als gesichert, dass der Schinderhannes sich weder auf "den Krieg gegen Reiche, Juden und Franzosen" beschränkte, noch ein Wohltäter der Armen war. Dennoch scheint es gerade unter den armen Bauern schon früh eine Unterstützung der Bande gegeben zu haben. Denn in den Augen des einfachen Volkes wurden die Juden von den Franzosen bevorzugt, was Neid und Unmut hervorrief. Schinderhannes nutzte diese Stimmung gegen die Juden, indem er immer wieder Juden beraubte. Dies machte nicht nur eine Verfolgung unwahrscheinlicher, sondern brachte ihm auch die Sympathie des Volkes ein und mag später zu verklärenden Geschichten und Legenden seiner Taten beigetragen haben. Erst nachdem Schinderhannes die Zeit von Januar bis August 1799 im Gefängnis der Hunsrückstadt Simmern verbrachte, das heute als "Schinderhannesturm" eine Jugendherberge ist, plant er eine größere Bande, zu der selbst sein leiblicher Vater gehörte. Was Kaiser Napoleon zu seiner Zeit im großen als Emporkömmling in Frankreich ist, will er im kleinen für "seine" unwegsamen Waldberge im Winkel von Nahe und Rhein sein: ein "Gebieter" mit "Heer" und "Untertanen". Als er endlich den Gefängniswärter überlistet, bricht er sich beim Sprung aus dem Turm ein Bein. Ein langes Krankenlager folgt und verzögert zunächst die Pläne. So zeigt erst der Herbst 1800 Schinderhannes, seit Ostern im Lebensbunde mit der bildhübschen Musikantentochter Julia Bläsius, zwar ohne Segen der Kirche, als "Räuberfürsten". Die Schlupfwinkel Kallenfels, Hahnenbach und Birkenfeldermühle an der Nahe gleichen zeitweise kleinen Residenzen, in denen Feste und Gelage mit "Damen" einander folgten. Schildwachen patrouillieren vor den Wohnstätten ihres Hauptmanns. Leibschneider verarbeiten gestohlene Tuche zu kostbarer Kleidung, darunter zu den für Schinderhannes so typischen Jägeranzügen. Trotzdem bleibt Schinderhannes in seinem Wesen ein Räuber, keineswegs wird er ein politischer Rebell: er will ja die staatlichen Verhältnisse auf dem französisch besetzten linken Rheinufer nicht ändern, sondern sich persönlich bereichern. Darüber hinaus erfüllt ihn oberflächliches Geltungsbedürfnis. Freigebigkeit oder Drohbriefe des Schinderhannes und seiner Gesellen halten viele Dörfer in Schach, so dass sie die Räuber nicht anzeigen, wenn sie die Räuber nicht sogar als "Werkzeug der Gerechtigkeit" verehren, weil diese auf "Anzeige" Wucherer überfallen.

 

Räuberleben als Gewerbe

Schinderhannes hat manche Tat, die seinen Ruhm begründete, nicht allein geplant. Johann Leiendecker, Schuhmacher war der einflussreichste Genosse. Er überlegte oft, in welchem Haus die größte Beute zu finden war. Er ist nicht selten der originelle Autor der Drohbriefe und Erpresserbriefe, die Schinderhannes nur unterzeichnete. Er ist wahrscheinlich auch der Erfinder der teuer verkauften "Sicherheitskarten", die ihre Inhaber vor dem Zugriff der Bande schützten. Die im Besitze solcher Karten waren, durften von seiner zahlreichen Bande nicht behelligt werden. In einem Falle soll dies trotzdem geschehen sein. Schinderhannes übte aber prompte und strenge Justiz. Er schoss dies Mitglied seiner Bande, der es gewagt hatte, seinem Befehl zuwider zu handeln, sofort eigenhändig nieder. Ihm gelang es, nach Holland zu flüchten, sich als Schuster in Amsterdam niederzulassen und die Gerechtigkeit hatte das Nachsehen.

Einbruch, Raub, Diebstahl und Erpressung ist schließlich für Schinderhannes und seine Gesellen ein rationelles Gewerbe. Ein versierter Schreiber erledigt die Korrespondenz von Drohbriefen der Bande. Immer wieder erpresst sie so trotz "freundlicher Grüße" oder "Gruß und Bruderlieb" Zahlungen, indem sie Kaufleute oder Metallindustrielle mit hohen Kautionen zu "Audienzen" lädt. Regelmäßige Steuern tributwilliger geben der Bande eine solide Finanzgrundlage, wenn Schinderhannes auch gegen verarmte "Steuerzahler" stets Großmut walten lässt. Darüber hinaus zeigen alle Einbrüche eine sorgfältig ausgebildete Methode. Ein Balken rammt die Türen. Die Banditen fesseln und knebeln die Hausbewohner, rauben, drohen jedem, der schreien will, mit dem Tod und verschwinden. Weil Schinderhannes die Brücken zu einem neuen, ehrbaren bürgerlichen Leben nie ganz abbrechen will, und auch auf alle Fälle" kein Mörder in den Augen der Justiz werden möchte, scheut er jedes Blutvergießen und sucht, wenn auch oft vergeblich, die Spießgesellen zu bändigen.

Mit dem neuen Jahrhundert begann allmählich das französische Polizeisystem Wirkung zu zeigen. Der auch wegen seiner Frauengeschichten berühmte Schinderhannes befand sich ab 1800 auf der Flucht. Nach zahlreichen Vorgängerinnen, von denen namentlich lediglich eine Elise Werner, eine Budzliese Amie aus Schneppenbach und eine Katharina Pfeiffer überliefert sind, wurde seine achte oder neunte Geliebte die im Volksmund auch Julchen genannte Juliana Blasius aus Weierbach. Juliana wurde die erste beinahe ebenbürtige und ebenso legendäre, Begleiterin des flüchtigen Räubers.Julchen, seine Frau, begleitet ihn in Männertracht, falls sie nicht rechtsrheinisch Kurzwaren oder Beute verkauft.

 

Das Räuberfest

Um 1801 hauste die Bande des Schinderhannes auf der halb verfallenen Schmidtburg im Hahnenbachtal oberhalb von Kirn. Im nahe gelegenen Dorf Griebelschied feierte man sogar öffentlich einen sogenannten Räuberball, ein festlicher Höhepunkt dieser Tage. Vielleicht durch diesen Übermut wurde die längst sich im Fokus polizeilicher Interessen befindende Bande dann auch lokalisierbar. Die "lieben Untertanen" von nah und fern erscheinen, einschließlich aller Bürgermeister und Amtspersonen der hörigen Dörfer. Und als eine berühmte Tänzerin von Paris nach Mainz durch den Hunsrück fährt, wird ihr Reisewagen an einer einsamen Stelle mit gezogenen Pistolen angehalten. "Eingeladen" auf diese wenig alltägliche Art, muss sie ein unvorhergesehenes Gastspiel vor der Bande geben, ehe sie hoch belohnt und wohlbehalten weiterreisen darf. Gerne hat sie später der naiven Lebenslust ihrer seltsamen Gastgeber gedacht und immer wieder versichert, wie anständig es in dem Räuberkreis zugegangen sei.

Während um 1801 die französische Polizeiordnung allmählich an Wirksamkeit gewinnt, fängt auch die Bevölkerung an, von sich aus Widerstand zu leisten. Als Schinderhannes 1801 den jüdischen Großkaufmann Seckel Löw zu Staudernheim an der Nahe überfällt, eilen die Bauern der beliebten Familie auf ihre Rufe hin bewaffnet zur Hilfe. Eine wüste Schießerei zwingt die Banditen trotz heftiger Gegenwehr zum Rückzug. Weitere nächtliche Straßenkämpfe folgen in anderen Ortschaften.

Schinderhannes Stern beginnt zu sinken, obwohl er jetzt erst recht mit seinen Gesellen Raub auf Raub ausführt. Im Frühjahr 1802 schließen sich spanische Gardinen überraschend hinter den wichtigsten Helfern. Das französische Kaiserreich sieht im Kampf gegen das Räubertum am Rhein immer mehr eine Prestigefrage. Seine Gendarmerie, durch viele Misserfolge erbittert, greift zu so oft sich Gelegenheit bietet. Deutsche Mitarbeiter leisten wertvolle Dienste. Jeder erwischte Dieb steht umgehend vor einem französischen Militärgericht, aus dessen Fängen ihn bloß gelegentlich die Schwierigkeit der Offiziere erlöst, Mundart zu verstehen.

Im Frühling 1802 geschieht ein "Wunder": Schinderhannes gibt auf. Da er sich nicht mehr sicher fühlt, will er als reisender Händler ein bürgerliches Leben wiederbeginnen. Aber es ist zu spät. Nur mit Mühe entgeht er Anfang Juni 1802 einer Verhaftung auf dem Westerwald. Schinderhannes muss untertauchen, lässt sich deshalb für die deutsche kaiserliche Armee unter dem Namen Jakob Schweikard anwerben, damals für verdächtige Subjekte der beste Weg, auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Doch ein "kleiner Kollege" namens Zerfass erkennt ihn im Regiment und zeigt ihn an, um die hohe Belohnung zu erhalten, die auf seinen Kopf ausgesetzt worden war. Die Verhaftung erfolgte in Frankfurt, die Auslieferung an die französischen Behörden in Mainz.

Neun Monate dauern die Verhöre über 564 Punkte. Da Schinderhannes auf einen Gnadenakt durch Napoleon hofft, ist er geständig. Seine Geständnisse aber liefern die große Zahl der Helfer der Justiz aus.

 

Verhaftung, Gericht in Mainz gegen 68 Angeklagte und Verurteilung

Am 31. Mai 1802 wurde er im Östlichen Hintertaunus zwischen Wolfenhausen und Haintchen vom Kurtrierischem Hofgerichtsrat und Amtsverwalter zu Limburg an der Lahn Herrn Fuchs, morgens bei Tagesanbruch mit einem Kommando von Niederselters aufgespürt. Als man noch eine Viertelstunde vor Wolfenhausen war, sah man 300 Schritte neben der Straße eine Person aus einem Kornfeld herausgehen, dieser erschien dem Kommando fremd. Der Fremde, Johannes Bückler, wurde nach Wolfenhausen geführt, wo sich der Wiedrunkelische Leutnant mit seinem Streifenkommando befand, von dort aus wurde er weiter nach Frankfurt am Main gebracht. Zu diesem Zeitpunkt schwankte Bücklers Entschlossenheit, ein Räuberleben zu führen. Er versprach den kaiserlichen Behörden, über alle seine Straftaten Auskunft zu geben, solange er nicht an die Franzosen ausgeliefert werde. Nach mehreren ausführlichen Verhören wurde er jedoch mit Julchen und einigen Komplizen am 16. Juni 1802 an die französischen Behörden übergeben und nach Mainz gebracht.

Nach der Übergabe war Bückler im Holzturm in Mainz inhaftiert und wurde während der neunmonatigen Voruntersuchung durch Johann Wilhelm Wernher 54 Einzelverhören unterworfen, in denen ihm 565 Fragen gestellt wurden. Hinzu kamen noch zahlreiche Gegenüberstellungen. Wernher hielt Bücklers Hoffnung auf ein gnädiges Urteil aufrecht und konnte ihm so umfangreiche Geständnisse entlocken. Ohne sich jedoch selbst in einer Weise zu belasten, dass er eine Todesstrafe hätte befürchten müssen, benannte er 68 Mitglieder seiner Bande, von denen dann 19 zum Tode verurteilt wurden. Die Bildung der Räuberbande wurde auf die Unruhen und Verwirrungen während der letzten Kriege zurückgeführt. Da eine Durchsetzung der Gesetze zu dieser Zeit nicht einwandfrei möglich war, war die Verlockung, Verbrechen zu verüben, groß.

Am 24. Oktober 1803 eröffnet ein Spezialgericht im damals französischen Mainz die Hauptverhandlung gegen 68 Angeklagte. 173 Zeugen lädt die Staatsanwaltschaft, 260 Zeugen laden die neun Verteidiger. 53 Verbrechen allein werden Schinderhannes zur Last gelegt, während die Prozessakten sechs schwere Foliobände füllen und in französischer und deutscher Sprache ausgefertigt werden. Tausende Gäste aus ganz Europa weilen in Mainz und streiten täglich um die 500 Eintrittskarten, deren Preise ständig steigen und deren Erlös der Armenkasse zufließt. Zwei volle Tage dauert die Verlesung der Anklageschrift.

Am Nachmittag des 19. November zieht das Gericht seine Mitglieder zur Beratung zurück, am 20. November verkündet das Tribunal das Urteil gegen 42 Angeklagte, überweist einen zuständigkeitshalber den Gerichten zu Saarbrücken und spricht 20 Personen, mangels Beweisen meist, frei. Bückler und 19 Komplizen wurden nach einem ihm wahrscheinlich unbekannten Gesetz, das ab 1794 auch für jeden räuberischen Einbruch in ein bewohntes Haus die Todesstrafe vorsah, 1803 zum Tode verurteilt. Das Urteil stand jedoch schon vier Tage vor der Urteilsverkündung fest, da bereits am 16. November "28 Särge für Johann Bückler und Consorten" bestellt wurden. Drei Morde, 20 Raubüberfälle und 30 Diebstähle hält das Gericht bei Schinderhannes für erwiesen. Kerkerketten und Zuchthaus erwarten die anderen, Vater Bückler erhält eine 22jährige Kettenstrafe, starb aber nach wenigen Wochen am 28. Dezember 1803. Julchen Bläsius, die trotzdem später noch einen Gendarmen heiratet und 1851 als wohlachtbare Bürgersfrau stirbt, erhält lediglich zwei Jahre Zuchthaus. Sie gebar bereits vor dem Prozess in Gefangenschaft am 1. Oktober Bücklers Sohn, Franz Wilhelm. Dieser starb als Unteroffizier der österreichischen Armee. Noch in der Nacht des 20. November wurde vor den Toren von Mainz die Guillotine aufgebaut. Neben dem Schafott standen 20 Särge bereit.

Am 21. November wurden die Verurteilten in einem offenen Wagen zum öffentlichen Richtplatz gefahren. Bückler wurde als erster auf das Schafott geführt, Sekunden später war die Hinrichtung vollzogen, 24 Minuten nach der ersten Hinrichtung waren alle 20 Särge gefüllt. 40 000 Zuschauer umdrängen neugierig die Ruhestätte. Die Rümpfe und Köpfe der Räuber wurden direkt im verdeckten Raum unter der Guillotine wissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen. Es sollte im Auftrag der "Medizinischen Privatgesellschaft zu Mainz" unter anderem mit Elektroschocks festgestellt werden, wann der menschliche Körper tatsächlich klinisch tot sei. Aufgrund dieser Untersuchungen ist der wahre Aufbewahrungsort von Bücklers Leichnam nicht mit letzter Sicherheit geklärt worden. Das Skelett Bücklers wurde wohl von dem untersuchenden Mainzer Anatomen Professor Jacob Fidelis Ackermann bei dessen Berufung an die Universität Heidelberg mitgenommen und der anatomischen Sammlung der Universität vermacht; heute markiert bei dem Skelett eine Plexiglasscheibe den Durchtritt des Fallbeils durch die Halswirbelsäule.

Die Legendenbildung begann schon mit der Exekution selbst. Bereits während der Exekution wurden Groschenhefte verkauft, die ein überhöhtes Bild des Delinquenten zeichneten und auch seinen Ruf eines "Robin Hood vom Hunsrück" begründeten. Die literarisch bekannteste Darstellung als "edler Räuber" bot dann aber erst Carl Zuckmayers Schinderhannes von 1927.

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