"Ist Gott doch nicht vollkommen oder straft er die Menschheit für seine Sünden?"
 
 
Offene Feuerstellen, die im mittelalterlichen Alltag unverzichtbar waren, galten neben natürlichen Phänomenen wie Blitzschlag, bei einem starken Unwetter, als ursächlich für den Ausbruch von Feuer. Diese Feuerstellen fand man in jedem Haus vor, da sie für das Heizen, das Zubereiten von Mahlzeiten und in Form von Kerzen und Öllampen als Lichtquellen dienten. Zusätzlich wurde in handwerklichen Betrieben Feuer ständig in großem Umfang verwendet. Nicht im Hochsommer, wie man aufgrund von Trockenheit und Dürre vermuten könnte, sondern im Winterhalbjahr sind die meisten Stadtbrände zu verzeichnen. Dies wird einerseits auf die Heizung, mit ihren schlecht gewarteten Kaminen, und andererseits auf den Lichtbedarf und dem möglicherweise damit verbundenen unachtsamen Umgang mit Kerzen zurückgeführt. Dies allein muss noch nicht zwangsläufig zu Großbränden führen. Erst durch die sehr hohe Bebauungsdichte der mittelalterlichen Städte, war ein schnelles Übergreifen der Flammen von einem auf das nächste Gebäude möglich. Diese Bebauungsdichte ist zurückzuführen auf den einengenden Mauerring, der die meisten Städte umgab. Auch wenn es bei vielen Städten immer wieder zu Mauerneubildungen und Stadterweiterungen kam, so beispielsweise Basel 1080, 1230 und im 14. Jahrhundert oder Köln 960, 1106 und 1180, konnte diese Ausdehnung nicht mit dem Bevölkerungswachstum im Hoch- und Spätmittelalter mithalten.
Dennoch lassen sich im Verlauf der technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung mit zunehmender Bedeutung der Wissenschaften und dem Verlust des politischen Einflusses der Kirche herkömmliche Erklärungsmuster für Katastrophen nicht länger glaubhaft vertreten. Kriege, Massaker, Erdbeben, Sturmfluten, Großbrände, Explosionen, tödliche Unfälle und anderes werden in der Folge kaum noch auf Gottesurteile zurückgeführt – zu groß erscheint die Gefahr, die Betroffenen würden über die Frage nach möglichen weltlichen Ursachen und Verursachern die vielfach verborgenen sozialen Zusammenhänge des Katastrophengeschehens erkennen und aufdecken.
 
 
Auszüge aus der Zeitgeschichte:
 
512 - 517
Ausbruch des Vesuv
 
Dürre in Palästina
518
Sichtung eines Kometen, teilweise gefolgt von Erdbeben
526
Erdbeben in der Türkei
527
Hinweise auf einen Vulkanausbruch des Karakatau im heutigen Indonesien, sowie ein möglicher Meteoriteneinschlag im Golf von Carpentaria vor der Küste Australiens; Auswirkungen hiervon sind im Jahre 536 dokumentiert
15. November 528
Erneutes Erdbeben in der Türkei, Griechenland und Albanien
 
Überschwemmungen in Türkei und England
531
Sichtungen eines Kometen für 20 Tage
 
Hungersnöte in Italien und Griechenland
534
Erdbeben in Pompej
535
Die Atmosphäre kühlte ab und wurde trockener. Der Vulkanologe Ken Wohletz vom Los Alamos National Laboratory hat jetzt Indizien dafür gefunden, dass der Ausbruch eines riesigen Vulkans im heutigen Indonesien diese Kälteperiode verursachte.
536 - mindestens 541
Der Himmel verdunkelte sich für lange Zeit. Roter Blutregen ging nieder. Selbst am Mittelmeer kühlte es dramatisch ab. Frostige Winde und Dunkelheit ließen weltweit die Ernte verderben. Es war die stärkste Abkühlung der letzten zwei Jahrtausende. "Die Sonne leuchtete das ganze Jahr schwach wie der Mond", schrieb der zeitgenössische Historiker Prokopios in Byzanz. Hunger, Krankheiten und Tod plagten die Menschen. Bewohner Roms schilderten, dass ein Jahr lang "eine bläuliche Sonne" selbst mittags keinen Schatten warf. Ähnliches wurde aus anderen Erdteilen berichtet. In Byzanz kam es zu andauerndem Vandalismus. Offenbar hat die frühmittelalterliche Klimakatastrophe zehn Jahre gedauert.
538
Ausbruch des Vesuv
543
weltweite Erdbeben
550 - 555
In Griechenland wurden 8 Städte durch ein Erdbeben zerstört. Mancherorts riss der Boden auf und schloss sich wieder, mal blieb er offen, so dass die Menschen weite Umwege um die zurückgebliebenen Spalten machen mussten. In Mittelgriechenland stürzte das Meer mit ungeheurer Wucht aufs Land, wo es Seen zwischen den Bergen bildete, während man ohne Probleme zu den Inseln im Meer laufen konnte, wo zuvor Wasser war. Weitere Erdbeben richteten große Schäden in Syrien und Palästina an.
 
Erdbeben in der östlichen Mittelmeerregion
 
Seuchen in ganz Europa
557
Paul. Diac. erwähnt einen Kometen in Form einer Lanze, wahrscheinlich denselben, der schon zwei Jahre früher aufgeführt wurde. Bald darauf folgte ein Erdbeben, durch das in zehn aufeinander folgenden Nächten Konstantinopel erschüttert wurde, während es bei Tag jedes Mal nachließ. Auch in Antiochien gab es wieder Erdbeben und man bemerkte besonders viele Sternschnuppen.
 
Der Winter war so streng, dass die Hunnen über die gefrorene Donau setzen und mit ihrer Reiterei Moesien, Thrakien und Griechenland bis an die lange Mauer verheeren konnten.
565
Ausbreitung der Beulenpest von Italien und Gallien bis in die nördlichsten Teile
 
In demselben Jahr sah man noch drei Nebensonnen und einen Kometen in Form eines Schwertes, der beinahe ein ganzes Jahr lang sichtbar war.
 
Ein gewaltiger Bergsturz hemmte den Lauf der Rhone, die sich staute und eine gewaltige Überschwemmung verursachte, die fast bis nach Genf reichte
576
Dieses Jahr zeichnete sich durch die Häufigkeit von Gewittern und meteorischer Erscheinungen aus. Man bemerkte häufig Sternschnuppen, Nebensonnen und Mondregenbogen. Sogar der Mond selbst war manchmal dunkel gefärbt und auf seiner nicht beleuchteten Fläche beim Zu- oder Abnehmen wollte man einen Stern gesehen haben, was vielleicht mit den Sternschnuppen in Verbindung stand.
581
Bei Paris hat es an drei verschiedenen Orten eine rote Substanz geregnet, die ganz wie Blut aussah und wenn sie auf die Kleider fiel, nahmen diese einen solch ekelhaften Geruch an, dass sie unbrauchbar wurden. An einem anderen Ort wurde ein Haus gesehen, das mit dieser roten Substanz ganz überzogen war. Außerdem grassierte die Beulenpest in Narbonne und durchzog dort jeden Winkel der Stadt. Im Zuge dieser Krankheit entwickelte sich ein frieselähnlicher Ausschlag mit Beulen und Blasen, der viele Menschen tötete aber auch einige, die sich einer sorgfältigen Kur unterwarfen, verschonte.
583
In diesem Jahr ereigneten sich wieder Erdbeben in Anjou und Bordeaux. Am 31. Januar erschien in der Nähe von Tours am frühen Morgen bei Regenwetter ein großer Feuerball, der eine große Strecke des Firmaments durchzog und eine Helligkeit wie bei Tag verbreitete. Dann trat er hinter eine Wolke, worauf es so finster wie bei Nacht wurde. Die Überschwemmungen, die sich um jene Zeit ereigneten, waren ganz ungewöhnlich stark, vor allem die Seine hatte solches Hochwasser, dass es mehrere Schiffbrüche zwischen der Stadt und der Basilika des heiligen Laurentius gab.
584
Die Heuschrecken, die Kastilien verheerten, verbreiteten sich in diesem Jahr besonders weit, so dass man nirgends mehr einen grünen Fleck entdecken konnte.
 
Am nächtlichen Himmel sah man viele Sternschnuppen. Die Sonne war umgeben von einem Ring in verschiedenen Farben. Ein Nordlicht wurde auch gesehen. In nördlicher Richtung wurde zwei Stunden lang eine Feuersäule gesehen.
 
In Anjou geschah ein erneutes Erdbeben.
 
Noch denkwürdiger waren die Folgen für die Vegetation. Nachdem der Frost, später die Dürre und der Hagel alles verdorben hatten, setzten im September die Bäume wieder neue Blüten an und an den Weinstöcken zeigten sich auch neue Sprösslinge, die Rudimente von Trauben bildeten.
 
In Narbonne herrschte seit drei Jahren eine verheerende Krankheit, die auch diejenigen ergriff, die der Krankheit entflohen waren und jetzt wieder zurück kehrten. Ähnliche Verheerungen richtete sie im albigensischen Gebiet an.
 
Unter dem Vieh wütete ein solches Sterben, dass beinahe keines übrig blieb.
585
Hungersnot in Frankreich
586
Ein sehr verregneter Sommer hatte starke Überflutungen zur Folge.
 
"Untergang" von zwei Inseln, nachdem sie 7 Tage lang von vulkanischen Eruptionen erschüttert wurden.
591/592
Dürre und Heuschreckenschwärme in Europa, sowie eine "Influenza", die Mensch und Tier befiel
615
Erdbeben in Italien
 
verschiedene epidemische Hautkrankheiten in Italien
620
Ein langer Winter, "der 300 Tage lang dauerte" (Toaldo)
632
Ein Komet, der 30 Tage lang zu sehen war, zog von Süden nach Norden. Seine Form glich einem Balken.
638
Palästina wird 30 Tage lang von Erdbeben erschüttert.
661
In diesem Jahr gab es außerordentlich viele Gewitter und häufige Regenfälle. Von den Gewittern wurden tausende Menschen erschlagen.
664
Zumindest in England herrschte eine Seuche, die kurz nach der Sonnenfinsternis am 3. Mai auftrat und sich von Süden in Richtung Northumberland und Irland ausdehnte.
676
Aus dem Orient verbreitete sich eine Seuche, die sich bis nach Endland erstreckte, wo viele Einwohner deshalb auswanderten.
 
Im gleichen Jahr sah man ab August fast drei Monate lang im Osten einen Kometen in allen damals bekannten Gegenden, dessen Schweif ungemein lebhaft war, aber allmählich an Glanz verlor und verschwand.
 
3 Jahre lang herrschte eine Trockenheit in England und Westdeutschland. Die dadurch entstandene Hungersnot veranlasste Menschen „in Haufen von vierzig" sich ins Meer zu stürzen. Als sich die Sachsen endlich taufen ließen, fiel aus hellem Himmel reichlicher Regen, die Erde blühte wieder und es folgte ein reichliches Jahr.
683/684
mehrere Kometensichtungen
684
Ausbruch des Vesuv
690
Schwere Überschwemmungen in Italien
695 bzw 696
Ein sehr strenger Winter kam in diesem Jahr auf; es gingen nicht nur fast überall die Weinstöcke zugrunde, sondern auch die Themse war sechs Wochen lang gefroren.
717
In Konstantinopel herrschte die Pest.
726
Ungefähr im Juni dieses Jahres brach ein Vulkan unter Wasser bei der Insel Santorini (Thera) aus. Das Meer fing an zu rauchen und das Wasser fing an zu kochen. Bald darauf wurden Bimssteine ausgespuckt. Tagelang gelangten diese bis zu den Dardanellen bis schließlich eine neue Insel entstand.
733
Ein Jahr nach dem Sieg Karl Martells über die Araber verfinsterte sich die Sonne am 19. August auf eine angstauslösende Weise. So schien dies nicht durch den Mond geschehen zu sein, sondern durch "meteorische Substanzen".
741
Die Erde bebte über mehrere Monate und verheerte am 26. Oktober Konstantinopel. Zur gleichen Zeit zog sich das Meer zurück und Berge in der Wüste Saba stürzten ein. Andernorts wurden ganze Dörfer einfach vom Erdboden verschluckt.
744/745
In weiten Teilen der Welt wurden Nordlichter gesehen. Im Jahr darauf wurden erneut Nordlichter gesehen und Erdbeben waren mancherorts zu spüren. In Syrien wurde ein großer Komet gesehen.
 
Am 18. Januar 745 verbreitete sich vom Jordan aus ein Erdbeben, das ganz Syrien erfasste und Tausende Menschen in den Tod riss.
 
Vom 10. bis 15. August fiel über Konstantinopel ein Ascheregen, der eine fünftägige Verdunklung der Sonne zur Folge hatte. Cedrenus erzählt, dass Züge und Zeichen wie Ölflecken an den Kleidern der Menschen, besonders wenn viele zusammen waren, z. B. in Kirchen, erschienen.
764
Zwei weitere Kometen leiteten einen sehr kalten Winter ein, der mancherorts schon Ende September anfing. In den nördlichen Gegenden war die Kälte sehr heftig, so dass das Schwarze Meer über große Stellen hart gefroren war. Entlang der Küste von Mösien breitete sich das Eis weiter aus und erreichte eine geschätzte Dicke von 30 Ellen, zu der auch heftige Schneefälle beitrugen. Menschen und wilde Tiere überquerten das Eis. Im Februar schließlich brach es in riesige Stücke auseinander und türmte sich zu einer erschreckenden Höhe in der Propontis bis Abydos auf. Teilweise wurden auch die Mauern von Konstantinopel dadurch eingebrochen.
771
Zur Zeit Karls des Großen herrschte eine Pestilenz in England.
788
In diesem Jahr wurde Europa von einer solchen Kälte getroffen, dass im Mai tiefer Schnee lag und die Vögel tot aus der Luft fielen oder erstarrt auf ihren Eiern gefunden wurden. Manche Flüsse nahmen eine blutrote Farbe an und aus der Luft fielen schwarze, brennend heiße Tropfen; wem sie auf die Haut fielen, der starb von Stund an; wem sie nur auf die Kleider fielen, der starb zwar nicht so schnell, aber kam kaum mit dem Leben davon. Man sah zu dieser Zeit auch wieder Striche und Kreuze auf den Kleidern. In der Gegend von Freising in Bayern fiel aus heiterem Himmel Holz herunter.
796
Im April kam es nachts zu Erdbeben in Kreta und auf Sizilien. Im Mai in Konstantinopel. Der Höhenrauch nach diesen Erdbeben war sehr stark und 17 Tage lang auf der ganzen Welt zu sehen. Überall sah man kaum mehr die Strahlen der Sonne und auf dem Meer verloren die Schiffe ihren Kurs. In Konstantinopel wurde dieser Höhenrauch als ein göttliches Zeichen angesehen, weil die Kaiserin Irenen ihren Sohn blenden ließ.
um 800
Erdbeben in Köln
801 - 803
Mehrere Erdbeben in ganz Europa
811
Es erneut eine große Trockenheit. Heuschrecken-Schwärme kamen über das Meer und verwüsteten in Italien die Felder.
812
Ausbruch des Ätna
820/821
Extreme Niederschlage; Überschwemmungen waren die Folge
 
Sehr strenger Winter. Alle Flüsse in Deutschland überfroren und konnten einen Monat lang mit den schwersten Frachtwägen passiert werden.
823
Erdbeben in der Gegend um Aachen
 
In einem sächsischen Gau brannten 23 Dörfer ab, die durch Feuer vom Himmel entzündet wurden. Zusätzlich fiel öfters Hagel und einige Meteoriten von beträchtlicher Größe. Außerdem fiel ein Eisblock auf die Erde, der 15 Schuh lang, 6 Schuh breit und 2 Schuh dick war.
837
Am 17. Januar wurde ein Erdbeben in der Gegend von Worms und Speyer gemeldet.
855/856
Dieses Jahr ereignete sich ein Erdbeben in Konstantinopel. In der Gegend von Mainz, nach anderen Berichten von Würzburg, wurde in kurzer Zeit die Erde 20 Mal erschüttert.
 
Gewitter, Wirbelwinde und Hagel richteten große Verheerungen unter den Gebäuden an.
857/858
Mehrere Erdbeben in Deutschland; vor allem wiederholt in Mainz
868
Wie so oft nach besonders trockenen Jahren, war dieses Jahr durch viele und heftige Regenfälle geprägt, wodurch besonders in Deutschland und Frankreich Überschwemmungen auftraten und Schaden anrichteten.
869
Mainz wurde erneut von einem Erdbeben erschüttert und der Himmel sah einige Nächte lang blutrot aus. Außerdem wurden bei bedecktem Himmel Sternschnuppen gesichtet.
872
Während großer Trockenheit erschien in diesem Jahr ein Komet. Dann gab es häufig Gewitter, die von Hagel begleitet wurden. Am 3. Dezember wurde in Mainz wieder ein Erdbeben registriert, wohl das letzte in dieser Periode.
874/875
Heuschreckenplage in Deutschland und Frankreich
879
Ausbruch des Vesuv
886
Vom Mai bis Juli gab es dieses Jahr so häufige und gewaltige Regenfälle, dass sich niemand an solche Überschwemmungen erinnern konnte. Der Rhein verheerte von seinem Ursprung bis zu seinem Ausfluss alle Länder. Dasselbe geschah auch in Italien am Po. Im Herbst wiederholten sich ähnliche Überschwemmungen im Orient.
 
Der darauf folgende Winter war streng und dauerte lange an; Unter den Tieren, besonders unter den Pferden, setzte ein so zahlreiches Sterben ein, dass nur wenige übrig blieben.
900 - 1100
weitere Recherchen für diesen Zeitraum folgen
1134
Eine Sturmflut riss eine Fahrrinne in die Meeresbucht Zwin, so dass die Stadt Brügge eine direkte Verbindung zur Nordsee erhielt.
1169
Ausbruch des Ätna auf Sizilien, kostete bis zu 15000 Menschen das Leben, Auslöschung der Stadt Catania.
1195
berichtet der Mönch Reiner von Lüttich ausführlich von einer fatalen Naturkatastrophe: "In diesem Jahr regnete es beständig vom Johannisfest bis Weihnachten, besonders zur Zeit der Aussaat." Außerdem vernichtete ein großes Unwetter Ende Juli alle Feldfrüchte. Die Folge davon war eine der schlimmsten Hungersnöte, die sich vom heutigen Belgien über Lothringen, West- und Süddeutschland bis nach Österreich ausdehnte. Zuerst verhungerte das Vieh, dann die Menschen: "Die Armen lagen auf den Straßen umher und starben".
1242
Schwere Hungersnot in Ungarn nach dem Auftauchen von Heuschrecken-Schwärmen
1200 - 1299
 weitere Recherchen für diesen Zeitraum folgen 
 
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts trat in Europa eine Klimaverschlechterung und damit verbunden eine Abkühlung ein, weshalb man sogar von einer „kleinen Eiszeit“ spricht. In der Folge kam es zu geringeren Ernten und Hungersnöten. Auch war die Überbevölkerung in Europa nicht förderlich für die Lebensmittelknappheit.
 
Die hohe Sterblichkeit durch Infektionskrankheiten ist in entscheidendem Maße auf die Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten in der mittelalterlichen Stadt zurückzuführen. Das enge Zusammenleben in der Stadt und innerhalb der schlecht belüfteten Häuser förderte die Krankheitsübertragung. Die Wohnverhältnisse machten die meist einzige Möglichkeit zur Verhinderung einer Ansteckung, die Separierung, nahezu unmöglich. Sanitäre Anlagen waren primitiv und Ungeziefer fand in den Räumlichkeiten leicht Unterschlupf. Die hygienischen Bedingungen begünstigten die Ansiedlung von Nagern, die auf den Straßen reichlich Nahrung fanden und die hygienische Situation weiter verschlechterten. Die erst ab Ende des 14. Jahrhunderts gepflasterten Straßen und Gassen der Städte waren mit einer bis zu 30 cm dicken Schicht aus Speiseresten, Exkrementen, sonstigen Abfällen und auch Tierkadavern bedeckt. Auch das enge Zusammenleben mit Nutztieren und das verunreinigte, höchst infektiöse Wasser aus Brunnen und öffentlichen Quellen förderten die Verbreitung epidemischer Erkrankungen. Aufgrund der antiken Miasmentheorie entsorgte man Abfall und Fäkalien in Grund- und Oberflächenwasser in der Absicht, krankheitserregende Dämpfe zu vermeiden. Auf dem Land waren die Verhältnisse kaum besser. Auf Handelswegen verbreiteten sich Infektionskrankheiten auch in entlegenen Gebieten, zudem trieben die Hungersnöte die Landbevölkerung auf der Suche nach Nahrungsmitteln in die Stadt, wo sie sich ansteckten, was die Situation nur noch verschärfte.
 
Im Februar eines Jahres brachen in Dresden Brücken zusammen, ebenso in Prag, von wo die Domchronik des Domherrn Franz von Prag berichtet, die Moldau habe die gesamte Stadt überschwemmt und erhebliche Schäden angerichtet. Die Donau führte zu dieser Zeit ebenfalls Hochwasser.
 
21. Juli 1342: Die Lage verschärfte sich durch die anhaltenden Regengüsse im Sommer desselben Jahres, sodass sich die Zeitgenossen an die biblische Sintflut erinnert fühlten. Es kamen nicht nur Menschen und Vieh unmittelbar durch Ertrinken zu Schaden, Felder wurden verwüstet und Ernten vernichtet, was die Ernährungslage weiter verschlechterte und auch die Ausbreitung von Infektionskrankheiten förderte, von denen noch die Rede sein wird.
 
1303 und 1306
fror die Ostsee zum ersten Mal zu
1312
berichtet eine süddeutsche Chronik, es sei „allenthalben in Teutschland ein großer Sterb gewest [...], also dass man dafur gehalten, es wäre der dritte Teil aller Menschen gestorben“.
1313
Von Frühling bis Herbst derart starke Regenfälle, dass es zu Missernten und Hungersnöten kam. Da es um die Vorräte schlecht bestellt war, wirkten sich auch Überschwemmungen und ungewöhnlich tiefe Temperaturen dramatisch auf die Bevölkerung aus. Auf die Hungersnöte reagierten die Menschen, indem sie beispielsweise den Brotteig mit Wurzeln, Gras und Sägespänen vermengten. Wurde das Brot mit Tollkirschen oder Hanf versetzt, um so das Hungergefühl zu überdecken, konnte es zu schweren Vergiftungen kommen. Außerdem traten vermehrt Mangelkrankheiten auf, welche ebenfalls die Verbreitung von Seuchen förderten.
ab 1315
Eine lang anhaltende Hungersnot wurde durch mehrere nasskalte Sommer verursacht, die in den Jahren nach 1315 aufeinanderfolgten. Diese übertraf alle Nöte der vorangegangenen Jahrhunderte „durch Dauer, Schwere und Verbreitung“. Hinzu kam, dass gerade solche Witterungsverhältnisse, die sich ungünstig auf das Getreidewachstum auswirkten, das Auftreten des Mutterkornpilzes begünstigten.
1317
große Hungersnot in ganz Europa
1334
Schwere Sturmfluten, die jeweils nach dem Tagesheiligen benannt wurden, ereigneten sich an Nord- und Ostsee
1335
Eine Heuschreckenplage zerstört die Ernten im Süden Deutschlands.
1338 - 1340
Vorher meist regional begrenzt, fielen im Jahr 1338 Heuschrecken nun großflächig in Mitteleuropa ein. Von Osten nach Bayern hinein zogen sie in westliche Richtung, wobei sie ganze Ernten vernichteten. Wanderheuschrecken, die laut Zeitgenossen den Himmel verdunkelten, zerstörten nicht nur ganze Ernten, sie sollten laut Bibel auch Vorboten der Apokalypse sein.
Selbst in der Autobiografie Karls IV. finden sie Erwähnung. Eines Morgens habe ein Ritter den König mit den Worten geweckt: „Herr, steh auf, der Jüngste Tag ist da, denn die ganze Welt ist voller Heuschrecken.“ Die Größe des Schwarmes habe sich nicht ermessen lassen und die Menschen glaubten sich von der achten biblischen Plage heimgesucht. Heuschreckenplagen traten auch in den folgenden Jahren auf.
 
1339/1340: Der Winter brachte eine ungewöhnlich lange Kälteperiode mit sich.
1342
Im Februar dieses Jahres brachen in Dresden Brücken zusammen, ebenso in Prag, von wo die Domchronik des Domherrn Franz von Prag berichtet, die Moldau habe die gesamte Stadt überschwemmt und erhebliche Schäden angerichtet. Die Donau führte zu dieser Zeit ebenfalls Hochwasser.
 
21. Juli 1342: Die Lage verschärfte sich durch die anhaltenden Regengüsse im Sommer desselben Jahres, sodass sich die Zeitgenossen an die biblische Sintflut erinnert fühlten. Es kamen nicht nur Menschen und Vieh unmittelbar durch Ertrinken zu Schaden, Felder wurden verwüstet und Ernten vernichtet, was die Ernährungslage weiter verschlechterte und auch die Ausbreitung von Infektionskrankheiten förderte, von denen noch die Rede sein wird.
um 1347
Der Ursprung der „Schwarzer Tod“ genannten Pandemie der Pest in Europa lag vermutlich im Gebiet des zentralasiatischen Balchaschsees, von wo sich die Pest über die Seidenstraße hin zum Schwarzen Meer verbreitete. Als genuesische Kaufleute vor der Belagerung durch die Tartaren 1347 aus ihrer Handelsniederlassung Caffa auf der Krim flohen, brachten sie den Erreger auf dem Seeweg nach Südeuropa. Von den Hafenstädten aus gelangte die Seuche nach West- und Mitteleuropa. Vor allem aus Italien, aber auch Frankreich berichten zahlreiche Quellen von der Epidemie. Auch Mittel- und Westdeutschland wurden ab 1348 hart getroffen.
25. Januar 1348
Ein gewaltiges Erdbeben, „das offenbar in weiten Teilen Europas mit Schrecken zur Kenntnis genommen wurde“, machte sich in einem Radius von 600 km bis Ungarn, Prag und Krakau bemerkbar. Mit dem Epizentrum in Friaul richtete es in Südkärnten, dem Villacher Raum (Schweiz), sowie in Trient, Bozen und Venedig schwere Schäden an. Die Stadt Villach wurde durch das Beben und den darauf folgenden Brand größtenteils zerstört, rund 200 Menschen starben. In der Umgebung wurden zahlreiche Gebäude, darunter auch Burgen, Kirchen und Klöster beschädigt, deren Wiederaufbau oft bis weit in das 15. Jahrhundert andauerte, wurden zerstört, Landschaften verändert, schätzungsweise 10 000 Menschen kamen ums Leben. Dieses Ereignis beförderte die bereits durch die vorangegangenen Katastrophen heraufbeschworene Endzeitstimmung nur noch mehr. Noch fünf Wochen lang habe es Nachbeben gegeben.
Ein erdbebenbedingter Felssturz des Dobratsch zwang zudem Teile der ländlichen Bevölkerung, ihre Dörfer zu verlassen, da die Gesteinsmassen den Fluss Gail aufstauten und viele landwirtschaftliche Flächen zerstörten.
 
Wenige Wochen später erreichte eine von Italien ausgehende Pestepidemie, die sich in der Folge über ganz Mitteleuropa ausbreitete, und forderte in den Jahren 1348 und 1349 zahlreiche Todesopfer.
1354
verheerender Stadtbrand in Basel
1356
Schwere Erbeben in Italien, deren Auswirkungen bis nach Deutschland, England sowie Norwegen zu spüren waren.
 
Vom stärksten Erdbeben in der bekannten Geschichte Basels am 18. Oktober 1356 berichten nur wenige zeitgenössische Quellen und zudem ziemlich summarisch. Die ältesten Nachrichten findet man in einem Aufruf zu Spenden für das teilweise zerstörte Basler Münster, der im Bistum Konstanz im November 1356 verkündet wurde, und in dem ein Jahr nach dem Erdbeben begonnenen Basler Ratsbuch.
15./16. Januar 1362
Eine verheerende Sturmflut an der norddeutschen Küste riss eine ganze Region samt der Stadt Rungholt in die Tiefe. Die "Grote Mandränke", bei der vermutlich mehr als 10 000 Menschen ertranken, war anscheinend Teil eines meteorologischen Großereignisses, das kurz vor Rungholts Untergang auch die einstige englische Hafenstadt Dunwich zerstörte.
1363
Extrem kalter Winter mit vielen Opfern.
1370 - 1380
Die Seuchenzüge weisen keine einheitliche Chronologie auf, sodass es in fast jedem Jahr in irgendeinem Gebiet in Europa Pestfälle gab. Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten sollte die Pest immer wieder, wenn auch meist endemisch, auftreten und sich in Europa bis ins 18. Jahrhundert hinein halten.
1373 und 1377
Schwere Sturmfluten, die jeweils nach dem Tagesheiligen benannt wurden, ereigneten sich an Nord- und Ostsee.
 
Extremes Hochwasser des Rheins
 
Überschwemmung Kölns
1374
Extremhochwasser in Europa
1387
Besonders schwerwiegende Influenzaepidemien ereigneten sich 1387 und in den ersten drei Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts.
1395
Schwere Erbeben in Italien, deren Auswirkungen bis nach Deutschland, England sowie Norwegen zu spüren waren.
1396
Flut- und Überschwemmungskatastrophen, vorallem in Lübeck, Rostock, Stralsund und Elbegebiet.
1433
Dürre in Deutschland lies die Getreidepreise stark steigen.
1435
Verheerende Unwetter über Deutschland (unter anderem Westfalen, Hessen, Thüringen, Harz) und Belgien
1436/1437
Ungewöhnlich kalter Winter mit extremen Frost, wodurch sehr viele Menschen starben.
1456
Schwere Erbeben in Italien, deren Auswirkungen bis nach Deutschland, England sowie Norwegen zu spüren waren.
1560 bis 1610
mehrere Missernten, Orkane und harte Winter
1570
Sturmflut an der Nordeseeküste
1630
Ausbruch des Furnas auf den Azoren
1631
Ausbruch des Vesuv (für 1 Monat) und begräbt 6 Dörfer unter sich, 4000 Tote

 


Aus der Chronik des Burkard Zink für Augsburg:

In dem jahr 1381 was ain groß ungestäm wetter und schlueg zu Oberhausen in die müllin und verprant die.

 


 

1382 - Item am sambstag nacht vor Maria Magdalena was ain so großer wind, des darvor in langen zeiten nie gehert was. er warf groß paum nider und warf vil ploder heuser in dörfer nider.

 


 

1384 - In der zeit kam ain große wolkenprust zu Giengen, die was so groß, daß äcker mit dem koren und wissen hinweg prachen, und ward das waßer so groß in der stat, daß sie vorchten, das waßer wurd die rinkmaur hinfuern und muesten all verderben. und an sant Steffanstag prothomartiris schlueg das wetter zu wird in der pfarkirichen ain frawen ze tod vor dem altar in dem obgenanten jar.

 


 

1462 - „Es was gar guet raisen und reiten, dann es was kalt und waren alle möser hört gefrorn und was überall eben nach allem wunsch den ganzen winter und auch den summer: es was warm und trucken überall, alle möser gleich als im winter und waren die waßer klain und füert man den Lech wa man wolt, darumb kamen die feint dester paß zu uns, auch wir zu in derselben linien.“

 


 

1463 - Item es ist zu wißen, daß in dem jar, als man zalt 1463 jar in dem monat mai, wasen so vil ratzen oder krautwürm auf den peumen, als ich ie kein jar gesehen han, und draßen das lab ab etlichen pemen, daß überall kains darob was, und was minder plüe, dann in zehen jahren iw gewesen was, besunder die birnbeum plüen gar wienig. ich hett in meinem garten weder birn noch öpfel; es was opß teur und korn wolfail, gott sei gedankt und gelopt.

 

 

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