Wer wurde in die Hospitäler nun aufgenommen? Grundsätzlich jeder! Zunächst einmal galt es die Schwachen und Kranken bzw. Gebrechlichen und Armen zu versorgen.

 

Von dem Bischof Ratbot von Trier im zehnten Jahrhundert wird gemeldet, wie er auf Staat und Prunk freiwillig verzichtete, um alles für Unterstützung der Armen und Kranken verwenden zu können. Ähnliches tat ein englischer Bischof jener Zeit, Ethelworth von Wincester, der in einer Hungersnot seine ganze Kasse erschöpfte und am Ende die silbernen Kirchengefässe einschmelzen ließ, um Arme und Kranke zu unterstützen.

 

So hatte beispielsweise Papst Bonifatius VIII. 1295 verfügt, dass in den Hospitälern des Heilig-Geist-Ordens ein Drittel der Einkünfte für fremde Arme, ein Drittel für die Brüder und die Unterhaltung der Gebäude und ein Drittel für einheimische Arme zu verwenden sei. Auch die städtischen Hospitäler behielten diese Aufteilung häufig bei. Dennoch musste auch ein Hospital finanziert werden, und so vergaben die städtischen Hospitäler mehr und mehr so genannte Pfründen für zahlende Stadtbürger. Diese Pfründen haben die Hospitallandschaft zwischen 1300 und 1500 maßgeblich beeinflusst, so dass einige Hospitäler (zum Beispiel das Heilig-Geist-Spital in Lüneburg) zu regelrechten Pfründenanstalten wurden und der eigentliche barmherzige Pflegecharakter verloren ging. Erst um 1490 beschloss der Rat der Stadt Lüneburg das Heilig-Geist-Hospital wieder zu einer Armen- und Krankenanstalt umzuwandeln und setzte fest, dass fortan keine Herren- oder Armenpfründen mehr ausgegeben werden sollten.

Interessant im Zusammenhang mit dem ‚Behinderten‘ bzw. Beeinträchtigten ist hierbei eine Anordnung von 1302 aus Hannover. In jener legte der hannoversche Rat fest, dass fortan nur noch diejenigen in das Hospital aufgenommen werden dürften, die zu schwach, krank oder gebrechlich waren, um selber gehen oder stehen zu können. Waren sie allerdings wieder genesen, mussten sie das Hospital rasch verlassen, um dem nächsten Platz zu schaffen.

Die Hospitäler der Städte dienten aber weniger, wie das heutige Krankenhaus, als Anstalt zur Versorgung von Kranken, sondern vielmehr dazu, Alterssitze für das städtische Bürgertum zur Verfügung zu stellen. Sie entsprachen eher dem heutigen Seniorenheim.

 

Herrenpfründe bezeichnen die reichsten Pfründe, die sich für gewöhnlich nur die sehr wohlhabenden Bürger der Stadt leisten konnten. Herrenpfründner verfügten stets über eine Wohn- und Schlafstube mit Heizung und Licht, in einigen Hospitälern sogar über ein kleines Häuschen

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