Das Leben im Kloster mit Demut, Enthaltsamkeit und Askese war kein Honigschlecken, zumindest, wenn die Mönche oder Nonnen den Tagesablauf streng befolgten. Die Benediktiner etwa durften laut Klosterregel nur vier Stunden schlafen. Der Tag begann dann schon mit einem Nachtgottesdienst. Lesungen und Gottesdienste lösten sich fast stündlich ab. Ab fünf Uhr früh begann die Arbeit. Rund acht Stunden am Tag waren für die körperliche Arbeit und das Studium reserviert. Nur von Ostern bis Pfingsten durften die Klosterleute zwei Mahlzeiten zu sich nehmen. Ansonsten musste man sich mit einem gefüllten Teller um die Mittagszeit herum zufrieden geben. Es lässt sich aber sagen, dass die Klosterküche meist keine Armeleuteküche war: mit Haselhühnern, Wachteln, Reihern, Tauchenten, Krammetsvögeln, eingemachter Zunge, Mandelmilch und Eiern in Essig war für eine abwechslungsreiche Speisekarte gesorgt. Die penibel geführten Rechnungsbücher hielten alles Gramm für Gramm fest.

Bruder Martin von Sengingen schrieb 1457: "Die Brüder werden von einem Klerikermönch, nicht von einem Laien rasiert. Der Platz zum Rasieren ist keine Stube, sondern Sommer und Winter ein kühler Raum. Alle acht Tage werden die Bärte, alle vierzehn die Köpfe rasiert. Die Zellen sind einfach und niedrig, die Zwischenwände aus Lehm. Mit meiner Hand kann ich die Decke berühren. Durch alle Aborte läuft Wasser." Kaum ein Kloster besaß einen Ofen innerhalb seiner dicken Mauern.

Die Bettelorden, entstanden durch Franz von Assisi im 13. Jahrhundert, wurden später als Landplage empfunden. Sie nannten sich "Minderbrüder", die nicht im festen Kloster leben wollten, sondern als Besitzlose durch die Gegend zogen. Unter die um Almosen heischenden Krüppel und Lahmen mischten sich in den Dörfern und Städten die Bettelmönche in den Kutten. Eine Konkurrenz für die angestammten Bettler, die dieses Gewerbe mit einigen Tricks schon sehr professionell betrieben. Nichts ist leichter für einen Ganoven, als als verkleideter Mönch von Haus zu Haus zu gehen und Bauer und Bäuerin mit den Wundertaten von Heiligen zu beschwafeln, für deren Kapelle sie sammelten. Dafür "heischen sie gaunerisch Flachsgarn zu einem Altarbuch oder Bruchsilber zu einem Kelch.

Dem Kloster oblag im Mittelalter - in seinem Einzugsbereich - nicht allein die Pflicht, ein geistlicher, religiöser Stützpunkt des Glaubens zu sein, nein, das Kloster war - zu viel größerem Anteil - Bestandteil der weltlichen Gesellschaft: Es war Teil des Feudalsystems, nämlich als Lehnsherr für die Bauern und gleichzeitig Lehnsnehmer von der Kirche oder dem König. Das Kloster kümmerte sich um Kranke (Klosterapotheke), gab Reisenden Unterkunft, verlieh Gelder wie heute eine Bank, gab Sicherheit für das Alter, betrieb Handwerk, Landwirtschaft und Handel, oftmals auch eine Klosterschule.

In vielen Klöstern gab es eine "Verweltlichung". Ein Eintritt in ein Kloster hatte nicht immer religiösen Gründen erfolgte, sondern er wurde aus den weltlichen Motiven der Bereicherung (zum Beispiel von Adelsfamilien im Mittelalter) und der sozialen Versorgung (zum Beispiel von nicht erbberechtigten Bauernkindern, die keine wirtschaftliche Grundlage für die eigene Familiengründung hatten) getan. Da die religiösen Motive so bei einer großen Anzahl von Mönchen, oftmals auch beim Klostervorsteher, dem Abt, fehlte, wurde das gesamten Kloster oft verweltlicht.

Dennoch: Klöster waren die Bewahrer der Kultur und Zentren der Bildung. Kulturelle Arbeiten wurden ausschließlich in Klöstern gefertigt, etwa Kopien alter Bücher. Es wurden Kunst- und Kulturgüter geschaffen. Zu nennen sind etwa die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches.

Die Klöster praktizierten Landwirtschaft, Pflanzenzucht, sie entwickelten Kräuter- und Heilkunde und gaben sie an die umgebende Bevölkerung weiter. Das Kloster war somit im Mittelalter ein bedeutendes Entwicklungszentrum. Weitschauende Landesherren sahen diese Bedeutung und gründeten viele Klöster. Sie statteten sie mit weitreichenden Ländereien aus, oft in unterentwickelten Gegenden. Die Klöster wurden deshalb auch Stifte genannt (vom Landesherrn gestiftet). Als Beispiel seien die Zisterzienser angeführt; sie waren ein typischer Kolonisationsorden.

Im späten Mittelalter verblassten die weltlichen Funktionen der Klöster. Die Städte traten an ihre Stelle. Mit den Stadtgründungen im Spätmittelalter, erschloss sich jedoch zunächst noch die Aufgabe der Sozialfürsorge für die Unterschicht und die Kranken- und Altenpflege in den Städten. In allen größeren Städten gab es bei der Gründung mindestens ein Kloster innerhalb der Stadtmauern. Es waren hauptsächlich die Franziskaner und andere Bettelorden, die diese sozialen Aufgaben wahrnahmen.
Als sich jedoch die städtischen Strukturen verfestigten, sank gleichzeitig die Bedeutung der Klöster. Ihre Rolle als Zentren der Kultur und Technik wurde nun von den Städten übernommen: es gab dort Handwerker, Schulen und Universitäten.

Nach der Reformation wurden viele Klöster mangels Bedarf aufgehoben. In den Kriegen zerstörte Klöster wurden aus diesem Grund oftmals nicht wiederaufgebaut.

 

Eremiten und Anachoreten

Die Geschichte der Klöster beginnt in Ägypten. Hier zogen sich im 3. Jahrhundert Einzelpersonen aus religiösen Motiven von der Welt zurück und lebten, in Askese, zukünftig nur für Gott allein. Man bezeichnet so eine Person als Eremit oder Anachoret. Das Wort Anachoret kommt aus dem Griechischen und bedeutet Zurückgezogener.

Erster Anachoret war der heilige Paulus von Theben. Er lebte vermutlich in der Zeit um 228 bis 341. Er zog in die thebaische Wüste in Oberägypten, als Feinde ihn verfolgten.

Der heilige Antonius, auch Antonius der Große genannt, war ebenfalls eine Leitfigur für viele Eremiten.. Er lebte von 251 - 356. Erster "Abt" im Sinne von Vorsteher eines Klosters war der heilige Pachomius der Ältere. Er lebte in der Zeit um 287 bis 347. Er errichtete das erste Kloster auf Tabennisi, einer Insel im Nil, und gründete das Koinobitentum. In dem Kloster lebten Mönche nach einer strengen Regel zusammen. Die Schwester des heiligen Pachomius des Älteren gründete die erste klösterliche Frauengemeinschaft.

Nun kam es auch in anderen Ländern vermehrt zu Klostergründungen. So schuf die heilige Hilarion von Gaza einige Klöster. Sie lebte von 291 bis 371.

Hervorzuheben ist auch der heilige Basilius der Große. Er lebte um 329 bis 379. Er stellte erste allgemein gültige Regeln für das Klosterleben auf, und zwar Grundsätze des Mönchslebens (Ziel eines Mönchslebens) und die Regeln der täglichen Einzelheiten (Pflichten und Aufgaben) des Mönchslebens. Heute noch gelten diese Basiliusregeln in den Klöstern mehrerer orientalischer Kirchen und der orthodoxen Kirche.

In die westlichen Länder Europas kam das Mönchstum durch den heiligen Athanasius. Er lebte um 295 bis 373. Er schrieb eine Biographie über den heiligen Antonius. Weitere Vorreiter für das Mönchstum waren die heiligen Ambrosius, Hieronymus, Martin von Tours und Augustinus. Der heilige Augustinus entwarf in den Jahren 388 bis 393 die Augustiner-Regel (auch Augustinus-Regel genannt). Es ist damit die älteste abendländische Mönchsregel. Sie wurde von den Augustiner-Chorherren und den Augustiner-Eremiten übernommen.

 

Der heilige Benedikt von Nursia lebte um 480 bis 547. Von ihm stammt der klösterliche Spruch "Bete und Arbeite" - "ora et labora". Benedikt gründete 529 das Kloster Montecassino, dem er als Abt vorstand. Seine "Regel des Benedikt", die unter dem oben genannten Leitspruch stand, wurde Richtungsweisend für das gesamte Mönchstum im Abendland. Benedikt schuf drei Klostergelübde: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Diese drei Gelübde müssen zweimal abgelegt werden: einmal einfach nach dem Noviziat für mindestens drei Jahre, danach feierlich auf Lebenszeit. Die Regel des Benedikt gilt noch heute. Sie war im Mittelalter der wesentliche Grund dafür, das Klöster auch Mittelpunkt der Kultur wurden.

 

Ab dem 10. Jahrhundert tendierten die Klöster dazu, Laien in das Kloster aufzunehmen, damit auch dort das Handwerk ausgeübt werden konnte. Damit begann aber gleichzeitig der geistige Verfall der Klöster, denn Laienäbte beispielsweise waren mehr auf Einnahmen als auf Wahrung von Tradition und Kultur erpicht.

Die Cluniazensische Reform im 10. und 11. Jahrhundert war eine Gegenbewegung, die von der Benediktinerabtei Cluny in Burgund ausging. Hauptreformpunkte waren:

  • strenge Beachtung der Benediktsregel
  • größte Gewissenhaftigkeit beim "Opus Dei", den täglichen Gottesdiensten
  • Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches.


In die Verfassung des Benediktinerordens wurde zudem die Kongregation eingeführt; durch die Gründung von Klosterverbänden bekam man die Mittel zu einer geistigen und wirtschaftlichen Erneuerung.

Diese cluniazensischen Reformen übernahmen viele Klöster in ganz Europa. Andere Klöster wandelten die Benediktusregel ab und gründeten neue Orden. In dieser Zeit fielen auch die Gründung der Orden Karthäuser, der Zisterzienser und der Prämonstratenser.

Die Benediktiner sorgten im 11. und 12. Jahrhundert für die Ausbreitung der romanischen Kunst in Europa, insbesondere in Spanien und Frankreich.

Zu Beginn des Spätmittelalters entstanden die Bettelorden. Der Orden der Franziskaner wurde um 1210 durch den heiligen Franz von Assisi gegründet, der Orden der Dominikaner um 1216 durch den hl. Dominikus. Die Bettelorden errichteten ihre Klöster in den Städten. Dort predigten sie dem Volk und lehrten an den Universitäten. Bekannte Gelehrte waren Albertus Magnus (ein Dominikaner), Thomas von Aquin (ein Dominikaner) und Roger Bacon (ein Franziskaner).

Ordensneugründungen im 16. Jahrhundert waren die Folge eines Vertrauensverlustes und eines Verlustes des Ansehens der überkommenen Orden in der Bevölkerung. Es gründeten sich in dieser Zeit zum Beispiel die Theatiner, die Kapuziner, Jesuiten, Oratorianer, Kamillianer und Piaristen, um nur einige zu nennen.

Die Zeit der Reformation raubte vielen Klöstern ebenfalls die Grundlage, denn viele Ordensmitglieder übernahmen die Lehren Martin Luthers. Das gemeinschaftliche Leben im Kloster sowie das Keuschheitsgelübde wurden von den Protestanten verneint.

Die Reformation setzte sich im Süden und Westen Europas nicht durch. Insbesondere in Spanien wurden neue Klöster gegründet. In Frankreich währten die Religionskriege und viele Klöster gingen unter. In den Niederlanden erhoben sich die Calvinisten und es erfolgte eine Aufteilung in protestantische und katholische Gebiete. Der Dreißigjährige Krieg führte auch in Deutschland zu einer Teilung in protestantische und katholische Gebiete.

Die Gegenreformation brachte die Klöster zu einer neuen Blüte im 17. und 18. Jahrhundert, die sich durch prunkvolle klösterliche Barockbauten, Kunstsammlungen und Bibliotheken ausdrückte.

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