Die Hexenverfolgung fand, um genau zu sein, nicht nur im so genannten finsteren Mittelalter, sondern in erster Linie nachher statt, zurzeit nach der Reformation, auch Gegenreformation genannt. Es war auch die Phase der Wissenschaftsrevolution. Diese kam aber zu spät und konnte den Hexenwahn nicht mehr aufhalten. Die Hexenverfolgungen fanden nicht nur in katholischen Gegenden statt, sondern hatten auch in protestantischen Gebieten zu gewissen Zeiten ihre Hochblüte. Einige Tatsachen über den Hexenwahn sind noch wenig bekannt oder überraschend.

Als Einstieg müssen wir die Frage klären, worum es bei der Hexenverfolgung überhaupt geht. Das Prinzip ist ganz einfach: Frauen wurden beschuldigt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Als Folge davon wurden sie gefoltert und hingerichtet. Aufgrund der zeitgenössischen Dokumente müssen wir davon ausgehen, dass praktisch alle Hingerichteten unschuldige Opfer einer hysterischen Volksbewegung wurden. Opfer dieser Verfolgung wurden mehrere zehntausend Personen, vor allem Frauen, teilweise Kinder und später auch Männer, zuerst Leute aus dem unteren, später auch aus dem höheren Stand. Auffallend ist, dass ungefähr die Hälfte aller weltweiten Hexenhinrichtungen im deutschsprachigen Europa stattfand. Angefangen hat der Hexenwahn allerdings in Frankreich. Es sei in diesem Zusammenhang an den Prozess der Jeanne d`Arc, der 1920 von der katholischen Kirche heiliggesprochenen Jungfrau von Orleans erinnert. Sie wurde 1431, erst 20-jährig, als Ketzerin verbrannt. Das Ende des Hexenwahns scheint vor allem in der Schweiz zu liegen.

Vom zeitlichen Gesichtspunkt gesehen liegt die Spitze der Verfolgung ums Jahr 1700. Vereinzelte Prozesse aufgrund von Anklagen wegen Zauberei gab es zwar schon um 1000, und vereinzelt auch noch bis etwa 1900. Als letzte hingerichtete Hexe in der Schweiz wurde der Fall der Anna Göldi bekannt. Die Dienstmagd wurde in Glarus Ende 1782 mit dem Schwert hingerichtet, also nur wenige Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution. Diese sollte durch ihre Auswirkung die alte Ordnung in Europa wegfegen.

Während allen Phasen des Hexenwahns wurde das Verfolgen unschuldiger Menschen teilweise heftig kritisiert. In einzelnen Gebieten Europas gab es deshalb überhaupt keine Hexenverfolgung oder höchstens vereinzelte Verhöre ohne Folterungen, nach denen man die Angeklagten wieder freiließ, mangels Beweisen. Hier stoßen wir bereits auf das Kernproblem der Hexenverfolgung. Zaubereisünden lassen sich nicht beweisen, weil ihre Auswirkungen das Nachvollziehbare und damit Beweisbare überschreiten. Dass es heute noch Zauberei durch Schwarze Magie gibt, welche Menschen objektiven Schaden zufügt, daran würden heutzutage ohnehin die meisten Zeitgenossen nicht mehr glauben. Aus der Bibel wie aus der Überlieferung von Naturvölkern wissen wir jedoch, dass es durchaus gewisse magische Praktiken gibt, welche Menschen wirklichen Schaden zufügen können. Da sich solche Vorkommnisse aber nicht beweisen lassen, ist es nicht möglich, sie durch weltliche oder kirchliche Gerichte beurteilen zu wollen. Gewisse Dinge werden eben erst am "Jüngsten Tag" ins richtige Licht gerückt werden. Von einer solchen Perspektive des Jüngsten Tages wichen zurzeit die Hexenverfolgung kirchliche wie staatliche Obrigkeiten ab. Sie stützten sich dabei auf das Bibelwort, dass man die Zaubereisünde nicht dulden solle und gingen dagegen an. Allerdings, und hier liegt der Kernpunkt, nicht mit geistlichen, sondern unangebrachterweise mit weltlichen Waffen. Die Folge davon war eine Katastrophe, die uns heute noch erschüttert und bei der das Christliche im ursprünglichen Sinne vollends auf der Strecke blieb.

Die Massenhysterie gegen Frauen in früheren Jahrhunderten hatte ihren Ursprung zu einem großen Teil in den heidnischen Göttervorstellungen und Dämonenvorstellungen. Diese lebten in den Köpfen der Menschen fort, auch lange nachdem Europa christianisiert war und teilweise sind solche Vorstellungen heute noch vorhanden. Die Christianisierung Europas brachte es zwar mit sich, dass viele Menschen Christen wurden, so wie auch viele andere über den Status der getauften Heiden nicht hinweg kamen und es eigentlich auch gar nicht so recht wollten. Das Christentum war die offiziell erwartete Denkweise und Lebensweise, sodass sich viele mehr nur äußerlich anpassten und der christliche Glaube immer in einem Wettlauf mit den animistischen Vorstellungen stand. Da war zum Beispiel die Vorstellung, dass Geister an den Zäunen hausten und die Menschen bedrohen würden. Genau von dieser Vorstellung stammt das Wort Hexe. Der Begriff geht zurück auf das altnordische Wort für Zaunsitzerin, hagazussa. Jedenfalls begann sich mit der Christianisierung die Vorstellung des Teufels mit derjenigen von Hexen, Dämonen und Unholden zu vermischen. Man spricht in der Fachwelt auch von der Christianisierung des antiken, keltischen, germanischen und slawischen Dämonenglaubens.

Teilweise wurden gewisse Formen der Magie bewusst von der frühmittelalterlichen Kirche übernommen, damit die heidnische Bevölkerung das Christentum leichter annahm. Jedenfalls wurden der Teufel, aber auch die Hexen von der christianisierten Bevölkerung verantwortlich gemacht für schlechtes Wetter, Missernte, Fehlgeburten, die Pest und so weiter. In Zeiten der Missernte und der damit verbundenen sozialen Folgeschäden waren solche Vorstellungen noch höher im Kurs. Und in der Tat war der soziale Niedergang breiter Bevölkerungskreise ein wesentlicher Nährboden für das Aufkommen des Hexenwahns. Zudem gab es tatsächlich vereinzelte und verborgene Wahrsager, Volksmagier und auch, meist sehr kleine, Gruppen, welche den christlichen Glauben verhöhnten, teilweise aus reiner Prahlerei, teilweise auch als Satanskulte, welche mit umgekehrten Kreuz ihre Schwarzen Messen zelebrierten. In jener Zeit, da es praktisch noch keine Zeitungen gab, waren die Gerüchte das hauptsächlichste Massenmedium. Man kann sich ausmalen, wie viel Dichtung und wie wenig Wahrheit damit weitergegeben wurde. Jedenfalls erschien die Gefahr von Seiten der Hexen und Zauberer um ein X-faches größer, als sie es in der Wirklichkeit je war.

Bereits im Jahr 1090 gab es in Freising einen Fall, bei dem drei so genannte Wettermacherinnen am Isarstand verbrannt wurden, übrigens damals gegen den Willen der Kirche. Der Fall fand auf dem Hintergrund der umstrittenen Besetzung des Bischofssitzes statt. Dies brachte eine große Verunsicherung mit sich und verursachte die Suche nach irgendwelchen Sündenböcken. In Freising wurde vorweggenommen, was ein halbes Jahrtausend später bei den Hexenprozessen der Fall war. Der bloße Verdacht auf Zauberei genügte, um unschuldige Frauen zu foltern und damit ein Geständnis zu erpressen. Die Frauen gaben unter der Folter alles Mögliche zu, um den Schmerzen zu entgehen. Das Geständnis war für ein rechtsgültiges Urteil notwendig, Indizienprozesse wie heute kannte man damals noch nicht.

 

Zauberei und Sünden

Im frühen Mittelalter war die Todesstrafe für Zaubereisünden noch nicht vorgesehen, deshalb wandte sich die Kirche gegen die Hinrichtung der drei freisinger Frauen. Bekämpft wurden Zauberei und Ketzerei bis zum 11. Jahrhundert in der Hauptsache mit Kirchenbusen.

Die Kirche schwankte lange zwischen einer Überschätzung und einer Geringschätzung teuflischer und zauberischer Einflussnahme. Vor allem in der Literatur der organisierten Ketzerverfolgung, der Inquisition, begann man aber später die Existenz des Hexenfluges als wirkliches Ereignis zu verstehen. Unter Hexenflug verstand man den Ritt der Hexen auf einem Besen durch die Luft. In aufgeklärteren Zeiten verlagerte sich diese Vorstellung von der theologischen in die Märchenliteratur, wo sie heute noch anzutreffen ist.

Die Literatur der Inquisition wurde auch immer wieder von anderen zur Legitimierung der Hexenverfolgung herangezogen, so auch das damals bekannte und weit verbreitete Buch namens Hexenhammer aus der Feder des Inquisitors Heinrich Cramer von 1487. Zur eigentlichen Waffe der Kirche gegen die Zauberei erwuchs seit dem 13. Jahrhundert das kirchliche Inquisitionsverfahren. In der Inquisition führte die gleiche Instanz, welche Anklage erhob, auch die Untersuchung und fällt die Urteile. Das wäre in der heutigen Rechtspflege undenkbar. Erst mit diesem Verfahren häuften sich damals die Hinrichtungen von so genannten Hexen und anderen Ketzern. Zur gleichen Zeit ließ man in Spanien und Frankreich die Folterung von Verdächtigten zu, wenn es um Kapitalverbrechen ging. Auch in Deutschland begann man etwa seit dem 14. Jahrhundert die Folter auch im weltlichen Strafprozess anzuwenden.

 

Ungerechte Prozessführung

So sehr man auf kirchlicher Seite um die Existenz von Zaubereisünden wusste, so gab es auf der staatlichen Seite zu Beginn des 15. Jahrhunderts noch kein Hexereidelikt. Der Begriff der Hexerei soll zum ersten Mal in einem Strafprozess vor dem weltlichen Gericht der Stadt Luzern 1419 aufgetaucht sein, also schon rund einhundert Jahre vor der Reformation. Der Begriff der Hexe wurde, so vermuten andere Experten, erst am Konzil von Basel, also zwanzig Jahre nach dem Luzerner Fall erfunden. Nach dieser Ansicht sei der Begriff der Hexe vom Konzil neu aufgegriffen und mit alten, angstbesetzten Inhalten gefüllt worden. Es könnte also durchaus sein, dass die gedankliche Verbindung zwischen dem Wort Hexe zum erwähnten altnordischen Begriff hagazussa bewusst von der Inquisition inszeniert wurde, um die Volksängste vor Dämonen gegen die angeblichen Hexen zu schüren. Bereits zeitgenössische Darstellungen kritisierten, dass die Hexen nicht wirklich existierten, sondern lediglich eine ideologische Einbildung der Inquisitoren seien. Die Inquisitoren gehörten auch zu den Wenigen, welche relativ gut gebildet waren, und zu einer gezielten Manipulation der Sprache überhaupt fähig.

Nach der Kirchenspaltung durch die Reformation brachen die kirchlichen Inquisitionsgerichte zusammen. In der Folge wurden Zaubereiprozesse nur noch vor weltlichen Gerichten behandelt.

Der Begriff der Hexerei, genau so wie ihn die Inquisition mit Inhalt füllte, wurde zwar vor den weltlichen Gerichten vorerst nicht anerkannt. Gerade deshalb war es nicht voraussehbar, dass ein weit verbreiteter Hexenwahn je ausbrechen würde. Es kam aber so, dass die weltliche Strafprozessordnung in jener Zeit die Folter institutionalisierte. Diese war zu Beginn gegen Attentäter und Königsmörder gerichtet. Jedenfalls wurden durch die Folter der Willkür größere Tore geöffnet, als es die kirchliche Inquisition alleine je zustande gebracht hätte. Trotzdem vollzog die Inquisition selber auch die Folter, um Geständnisse zu erpressen. War ein solches vorhanden, mussten die kirchlichen Inquisitoren den Angeklagten an das weltliche Gericht übergeben.

Betrachten wir das Prozessverfahren gegen Personen, die der Hexerei beschuldigt wurden, näher: Der Ankläger ist in der stärkeren Position. Er kann jemanden aufgrund von Aussagen irgendwelcher Leute anklagen, gleich ob und wie glaubwürdig diese sind. Man geht davon aus, dass der Ankläger aus Sorge gegenüber dem Staat oder dem rechten Glauben handle und deshalb müsse er seine Anklage nicht beweisen.

Ungeschützt war hingegen der Angeklagte; und sein Verteidiger kommt gegen die Behandlung des Falles meist nicht an. Die Unschuldsvermutung kannte man damals nicht. Um mit der Folter des Angeklagten die Wahrheit zu ermitteln, genügte ein bloßer Verdacht des Richters. Dem Richter war es freigestellt, dem Gefolterten sein Leben für ein Geständnis zu versprechen, es dann aber nicht zu halten, sondern im Gegenteil die Todesstrafe zu beschließen. Denn die Todesstrafe konnte nur verhängt werden, wenn ein Geständnis vorlag. Die Folter wurde deshalb solange angewandt, bis Geständnisse vorlagen, auch von Unschuldigen.

Damit eine Frau der Hexerei angeklagt wurde, genügte die Beschuldigung von irgendjemandem, zum Beispiel, dass die betreffende Frau einen schlechten Ruf habe. Von daher wird es nachvollziehbar, dass die ersten als Hexe verurteilten Frauen dem Bild der modernen Märchenhexe durchaus ein wenig entsprachen. Es handelte sich oft um ältere, zurückgezogene, teilweise auch behinderte Frauen, die infolge ihrer Zurückgezogenheit den Verdächtigungen der dörflichen Gemeinschaft schutzlos ausgeliefert waren.

In den meisten Fällen war die Folge einer solchen Verleumdung die Folter und der Tod. Wurde in den seltenen Fällen jemand mangels genauer Anklage oder fehlendem Geständnis wieder freigelassen, so ging die Rede schnell um, dass diese bestimmte Frau vor den Richter musste. So wurde der Ruf schnell und endgültig beschmutzt, was Grund war für eine neuerliche Verhaftung, Folterung und schließlich Hinrichtung war. Das vorurteilsbehaftete Verleumden wurde insbesondere gefördert durch amtliche Anweisungen, welche Handlungen als Aberglauben, Zauberei oder Hexerei anzusehen seien. In einer bayrischen Anweisung Maximilian I. wurden auch gängige Bräuche der Volksmedizin auf den Index gesetzt und damit verboten. Dazu gehörte auch das Baden am Weihnachtsabend gegen Fieber und Zahnschmerzen.

 

Für die eigentlichen Sünden gegen den christlichen Glauben wurde das Strafmaß wie folgt festgesetzt:

 

  • wer den Teufel direkt anruft und anbetet, wird lebendig verbrannt,
  • wer den Teufel indirekt anruft, wird vor der Verbrennung enthauptet,
  • wer mit dem Teufel einen Pakt hat, landet auf dem Scheiterhaufen und das Vermögen wird eingezogen.
  • bei Schadenszauber wird die Verurteilte vor dem Verbrennen mit glühenden Zangen gezwickt.

  

In Spezialinstruktionen forderte Maximilian zudem, dass alle Amtsuntertanen verpflichtet werden, jeden Verdacht auf Hexerei zu melden. Diese Bestimmung zählt zu den unheilvollsten Verlautbarungen in der Geschichte des Hexenwahns. Denn dadurch wurde man verpflichtet, schon beim geringsten Verdacht jemanden anzuklagen. Es führte sogar soweit, dass Angeklagte unter der Folter ihrerseits irgendwelche Leute der Hexerei beschuldigten, um den Schmerzen zu entgehen.

So wird nachvollziehbar, dass mit der zunehmenden Verfolgung auch hochgestellte Persönlichkeiten auf dem Scheiterhaufen endeten. Die Vorschriften Maximilians mussten jeweils zu Weihnachten und Pfingsten von den Kanzeln verlesen werden. Die Hysterie wurde damit nicht besänftigt, sondern im Gegenteil geradezu angestachelt.

Wo der Teufelskreis zwischen Verhaftung, Verhör, Folter, Denunzierung und weiterer Verhaftung begonnen hatte, hörte er nicht so schnell auf. Die Hysterie ging so weit, dass sich Richter teilweise weigerten, mit den vermeintlichen Hexen überhaupt zu reden oder für die Dauer der Untersuchung im gleichen Haus zu wohnen. Man hätte sie später bezichtigen können, sie seien selber verhext.

 

Widerstand gegen den Hexenwahn

Die Gegner der Hexenverfolgung hatten unterschiedliche Hintergründe. Die einen waren Ärzte, Juristen, Gelehrte anderer Art oder auch Seelsorger. Zu letzteren zählte auch der Jesuitenpater Friedrich von Spee. Er begleitete während den Prozessen die Hexen seelsorgerlich und wurde so zu einem überzeugten Gegner der Verfolgung. Seine Erkenntnisse hatte er in einem Buch zusammengefasst und 1631 veröffentlicht, aus Sicherheitsgründen allerdings nicht unter eigenem Namen und ohne Genehmigung seiner Ordensoberen. Dies wäre auch schwierig gewesen, fand man doch auch viele Jesuiten auf Seiten der Befürworter einer Hexenverfolgung. Spees Buch, es trug den Namen Cautio Criminalis, deckte die Zustände mit scharfsinniger Logik schonungslos auf und nahm auch gegenüber den Geistlichen und seinen Jesuiten Brüdern kein Blatt vor den Mund. Da Spee in seinem persönlichen Umfeld, er war Lehrer der Moraltheologie, offen über sein Anliegen sprach, war bald bekannt, wer die Cautio Criminalis geschrieben hatte. Die Empörung über Spee klang dann aber ab, als durch den Schwedeneinfall unter Gustav Adolf andere Probleme anstanden. Trotzdem wurde Spee von Köln nach Trier versetzt. Vier Jahre nach der Veröffentlichung seines Buchs starb er. Spee hatte sich bei der Versorgung pestkranker Soldaten angesteckt. Trotz aller Anfeindungen blieb er dem Jesuitenorden treu.

Spee wurde einst gefragt, woher er denn schon graues Haar hätte. Er antwortete, das komme davon, dass er viele Hexen als Beichtiger zum Scheiterhaufen hätte begleiten müssen. Er fügte bei, dass er in keinem einzigen Fall davon überzeugt war, die Verurteilte sei der Hexerei wirklich schuldig. Viele Angeklagte hätten, nachdem sie Vertrauen gefasst hätten, ihm die Unwissenheit oder Bosheit der Richter geklagt oder noch im Sterben in den Flammen Gott selber zum Zeugen ihrer Unschuld angerufen. Die Hexenverfolgung war allzu oft eine Verfolgung von Christinnen und Christen durch die Kirche. Evangelium und christliche Gemeinde einerseits und Dogmatik und Kirche anderseits waren nie dasselbe und werden es auch nie sein.

Das Ende der Hexenprozesse brachte erst der Sieg der Aufklärung, welche nicht mehr die Kirche, sondern die Vernunft in den Mittelpunkt rückte. Die letzte Hexe wurde in der Schweiz 1782 hingerichtet, wie eingangs schon erwähnt. Elf Jahre später kam es in Posen, noch unter polnischer Hoheit, zur Verbrennung zweier Frauen. Sie wurden zum Tod verurteilt, weil sie rot entzündete Augen gehabt hätten und das Vieh ihres Nachbarn dauernd krank gewesen sei. Dies zog man als Beweis heran, dass die Frauen Hexen gewesen seien. Die Fälle von Glarus und Posen sind die beiden letzten bekannten Hexenprozesse mit anschließender Hinrichtung. Der Hexenwahn war zwar nicht sofort besiegt, vielmehr lebte er im Aberglauben weiter.

Die Hexenprozesse verschwanden, wie erwähnt, aufgrund der Aufklärung. Die Aufklärung brachte unter anderem eine Humanisierung des Strafrechtes hervor. Dazu gehörte auch die Abschaffung der Folter. Man erkannte, dass sie ein untaugliches Mittel zur Wahrheitsfindung sei. Zudem verlor das Geständnis seine prozessentscheidende Rolle. An seine Stelle setzte man den Zeugenbeweis und Indizienbeweis. Der Sieg der Toleranz wurde auch dadurch mit begünstigt, dass die konfessionell motivierten Kämpfe in Europa zu Ende gingen. Man fand sich damit ab, dass es in Westeuropa zwei Möglichkeiten des christlichen Glaubens gab, nicht nur die katholische, sondern auch die evangelische. Damit verbunden war die Achtung vor der Religion des anderen, ja der Menschenwürde im Allgemeinen. Dass sich der Humanismus durchsetzte, bedeutete Freiheit, Freiheit, wie sie die Menschen zuvor noch nie gekannt hatten. Und damit war auch der christliche Gedanke im ursprünglichen Sinn wieder hergestellt.

 

Methoden der Wahrheitsfindung

Man begann mit der Befragung der Angeklagten, dem sogenannten "gütlichen Verhör". Blieb es ohne Ergebnis, dann ging das Gericht zum nächsten Schritt über, dem "Schreckeinjagen mit Worten". Dazu zeigte und erklärte man den Beschuldigten die Folterwerkzeuge. Half auch das nichts, folgte das "Schreckeinjagen in der Wirklichkeit". Der Henker legte seinem Opfer die Folterwerkzeuge an, schraubte und zog wohl auch ein wenig zu, um ihr klar zu machen, dass es nun ernst werde. Erst wenn sie jetzt noch immer nicht gestehen wollte, wurde sie dem "verschärften Verhör", der Folter, unterworfen. Die Folter war das Kernstück des Hexenprozesses. Nur dadurch konnten die Hexenjäger von den Angeklagten jene unsinnigen Aussagen erpressen, die dann als Beweis der kirchlichen Wahnideen von Teufel, Dämonenpakt und höllischer Zauberei herhalten mussten. Sie wurde auch verwendet, um Namen von Mitschuldigen zu erfahren. Folter im Hexenprozess unterschied sich nicht grundsätzlich von der Folter in gewöhnlichen Prozessen, die wurde jedoch schärfer, länger und häufiger angewandt.

Dauer der Folter: Der Schmerz der Folter ist so groß, dass man ihn kaum 5 Minuten, ja nicht einmal ein paar Minuten aushalten kann. Mit der Folter wurde eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, eine ganze Stunde, manchmal sogar über Tage hinweg fortgefahren. Wer wollte nicht lieber tausend Lügen sagen, als solche Qualen zu erdulden. Manche hielten diese Schmerzen trotzdem aus, und zwar deswegen, weil sie es für eine furchtbare Todsünde hielten, wenn sie sich unschuldig der Zauberei anklagten. Sie wollten damit nicht ihre Seele beflecken. Wenn sie doch der Qual unterlagen, trotz aller Willensstärke, und sich schuldig bekannten, dann verfielen sie in eine neue Verzweiflung: dass es jetzt wegen ihres Geständnisses um ihre Seligkeit geschehen sei. Für Dauer und Ausmaß der Folter trugen die Richter die Verantwortung. Das öffnete dem Missbrauch Tür und Tor. Denn viele Hexenrichter waren nicht gut und vernünftig, wohl die meisten nicht, sondern im Aberglauben befangene Fanatiker, die den christlichen Glauben bedroht sahen und deshalb gegen die "Teufelsbrut der Hexen" mit äußerster Härte vorgingen. Die Folgen für die Beschuldigten waren entsetzlich. Da Hexerei als Ausnahmeverbrechen galt, wurde die Folter in den meisten Hexenprozessen verschärft, auf Stunden verlängert und mehrfach wiederholt. Entsprechend hoch war die Zahl derer, die unter den Händen ihrer Peiniger ohnmächtig wurden, starben oder im Kerker Selbstmord begingen. Das war jedoch kein Anlass zur Besinnung für die Fanatiker hinter dem Richtertisch, sondern nur ein Beweis mehr für die Machenschaften der Hölle. Denn wer ohnmächtig wurde, war in ihren Augen vom Teufel in Schlaf versetzt worden, um ihn der Vernehmung zu entziehen, wer starb oder aus Verzweiflung Selbstmord beging, war nicht etwa Opfer des Gerichts, sondern ebenfalls Opfer des Satans, der ihm das Genick gebrochen hatte.

Bei der Folter wurde mit den Daumenschrauben begonnen. Das waren Metallspangen, zwischen denen erst einzelne, dann alle Finger allmählich zusammengepresst wurden.Hatten die Beschuldigten diesen einfachen Grad der Folter überstanden, legte ihnen der Henker "Spanische Stiefel" an: gebogene Metallplatten oder Metallbügel, die man von Frage zu Frage fester schraubte. Wer auch jetzt noch seine Unschuld beteuerte, wurde an den gefesselten Armen "aufgezogen", ein Verfahren, das durch angehängte Gewichte noch weiter "verschärft" werden konnte. Nicht minder qualvoll war das gewaltsame auseinander ziehen des Körpers mit Hilfe von Seilwinden: das sogenannte Strecken. Neben diesen "gewöhnlichen" Foltergraden konnten die Richter beliebige weitere Maßnahmen anordnen. Was der Henker dabei den Angeklagten antat, wie er sie mit ausgeklügelten Methoden marterte, während Richter und Schreiber seelenruhig dabei sassen oder zwischendurch zum Essen gingen, diese Schreckensszenen will ich hier nicht näher schildern. Es genügt zu wissen, daß den Verantwortlichen beinahe jedes Mittel recht war, um die Beschuldigten zum Sprechen zu bringen, und dass niemand verschont wurde, nicht einmal Greise und Kinder.Angesichts der Bedenkenlosigkeit, mit der die Hexenrichter verfuhren, mutet es fast wie ein Wunder an, dass es Menschen gab, die solche "peinlichen Verhöre" ertrugen und nichts gestanden. Genützt hat es ihnen wenig. Denn ihre Peiniger waren einfallsreich genug, sie trotzdem schuldig zu sprechen. Die wenigen aber, die nach überstandener Folter frei kamen, waren für ihr Leben gezeichnet, Krüppel oder seelisch Gebrochene.

Der Hexenprozess war eine Form des Strafprozesses, wobei die Verfolgung von Straftaten im Unterschied zum Anklageverfahren von Amtswegen geschah. Das Gericht untersuchte in einem ohne persönliche Anhörung des Angeklagten geführten Prozess, ob eine Straftat begangen worden war und ob mit dem meist durch Folter erpressten Geständnis als wichtigstem Beweismittel ein Verdächtiger der Täter war. 

Sachbeweise zum Beweis der Unschuld des Angeklagten wurden nicht zugelassen oder völlig ignoriert.Zusammenfassend kann man sagen, dass, wer einmal in die Hände der Inquisitoren geriet, so ziemlich verloren war.

  

Das einträgliche Geschäft mit der Inquisition

Die Inquisition war ein gutes Geschäft, man konnte das Hab und Gut der Verurteilten einziehen und die Erben auf die Straße setzen, sofern sie nicht ohnehin auch auf den Scheiterhaufen kamen.

Allein in dem kleinen Ort Thann im Elsass wurden 140 Menschen verbrannt. Die Nachlässe der Hingerichteten wurden konfisziert und teilweise für das 1622 eingeweihte Kapuzinerkloster verwendet.

1586 wurde Margaret Clitherow, die Stieftochter des Bürgermeisters von Tollbooth, zum Tode verurteilt. Ihr Verbrechen bestand darin, dass sie ihrem katholischen Glauben nicht ab schwor. Als sie das Urteil vernahm, dankte sie Gott dafür. Die Exekution sollte mit pressen bis zum Tod vollzogen werden. Am Morgen des 25. März 1586 wurde sie auf den Richtplatz gebracht. Dort wurde sie auf den Boden gelegt und ihre Hände an hölzerne Pfosten gebunden. Dann schob man ihr einen Ball großen Stein unter den Rücken. Um 9 Uhr in der Früh wurde die Hinrichtung vollzogen, in dem man ihr 400 Kilo Steine auf ihren zierlichen Körper stellte. Diese brachen ihr die Rippen. Nach 15 Minuten setzte der Tod dem grausamen Spiel ein Ende. 1920 wurde sie als Märtyrerin selig und 1970 von Papst Paul VI heilig gesprochen.

 

Schon auf die leisesten Indizien hin wurde jemand der Zauberei verdächtigt. Zwei bis drei belastende Aussagen oder die Bezichtigung durch einen angeklagten Komplizen rechtfertigten eine Anklage. Aus Anklageprotokollen geht hervor, dass es Usus war, verfolgte Frauen, sobald sie verhaftet worden waren, zu foltern, und eine Verteidigung gar nicht erst zuzulassen. Da die Zauberei als "crimen exceptum" angesehen wurde, durften sich die Scharfrichter jeden Grad, jegliche Wiederholung und jede beliebige Dauer der Folterung erlauben. Deshalb waren drei- bis vierstündige Folterungen nichts Ungewöhnliches.

Für den Ablauf der Folter gab es genaue Leitfäden. Zuerst untersuchte man die Angeklagte auf diverse Gegenstände, wie etwa Amulette, um zu verhindern, dass sie aus irgendeiner Quelle die Energie des Bösen beziehen konnte, um dadurch die Folter ohne Schaden zu überstehen. Dabei musste sich die Inquisitin entkleiden, wobei es häufig zu sexuellen Übergriffen kam. Danach wurden ihr sämtliche Haare geschert oder abgesengt, um eventuelle Hexenmale zu entdecken ( Leberflecken, Muttermale oder Warzen), welche ein weiteres wichtiges Indiz darstellten. Bei Auffinden solcher Hexenmale wurde die Nadelprobe angewandt. Man stach dabei mit einer Nadel in das Hexenmal, um die Empfindlichkeit zu überprüfen. Bei mangelnder Empfindlichkeit und Fehlen von Blut war das Hexenmal ein unumstößliches Indiz für den Teufelspakt.

Vor der Folter wurde der Inquisitin ein geweihtes Kleid mit christlichen Symbolen angelegt, um Einwirkungen seitens des Teufels bei der Folter vorzubeugen. Dann begann man die Angeklagte zu fesseln, ihr die Folterwerkzeuge zu zeigen und diese ausführlich zu erklären, um die Inquisitin zu einem freien Geständnis zu bringen. Hatte man keinen Erfolg, begann die Tortur.

Für gewöhnlich begann man die Folter mit dem Daumenstock, indem man ihre Daumen in eine Art Schraubstöcke steckte. Diese wurden langsam zugeschraubt. Half der Daumenstock nicht, so wurden die Beinschrauben oder "spanische Stiefel" angelegt. Durch diese wurden Waden- und Schienbein glatt gepresst, bei aggressiver Anwendung, begannen diverse Knochen zu splittern und der Fuß wurde gequetscht. Um die Qual zu erhöhen, wurde von Zeit zu Zeit mit einem Hammer auf die angelegten Schrauben geschlagen. Um das Jammergeschrei der Gefolterten zu unterdrücken wurde ihnen ein Capistrum in den Mund gesteckt. Der nächste Grad der Folterung war die Expansion oder auch Elevation genannt.

Bei der Expansion wurden den Angeklagten die Hände auf den Rücken gebunden und diese an einem Seil befestigt. Mit Hilfe des Seiles wurde die Angeklagte meist über eine Leiter, bei der oft in der Mitte eine Sprosse mit kurzen, spitzen Hölzern (auch "gespickter Hase" genannt) angebracht war, in die Höhe gezogen, bis die Arme ganz verdreht über dem Kopf standen. Diese Prozedur wurde mehrmals wiederholt.

Bei der Elevation wurden die Hände der Angeklagten auf den Rücken gebunden und an diesen wurden sie dann über eine Rolle mit einem Seil empor gezogen und längere Zeit hängen gelassen. Sodann ließ man sie wieder bis knapp auf den Boden hinabschnellen, um sie wieder aufzuziehen. Erfolgte noch immer kein Geständnis, so wurden der Angeklagten schwere Gewichte an die Füße gebunden und man ließ sie so eine halbe, oft eine ganze Stunde hängen, wobei man sie noch mit der Hakenpeitsche bearbeitete. Half auch diese abartige Form der Tortur nichts, so wurde der Angeklagten brennender Schwefel oder brennendes Pech auf den nackten Körper geträufelt, oder man hielt ihr brennende Kerzen unter die Arme, unter die Fußsohlen und Genitalien. Manchmal wurden der Angeklagten im letzten Grad der Folterung auch Arm- und Schulterknochen aus ihren Gelenken heraus gebrochen. So ließ man sie dann, mit den Händen hinter den Kopf gebunden, aufziehen und wiederum längere Zeit hängen, oft wurden zusätzlich nochmals Daumenschrauben und die spanischen Stiefel angelegt.

Führte auch diese nicht zum Ziel, so wurde ein neuer Termin (meist 1 bis 2 Tage darauf) zur "Fortsetzung" der Tortur angesetzt, da die Wiederholung der Folter nicht erlaubt war. War sie ja durch die Idee des Gottesurteils legitimiert. Um einen Selbstmord zu verhindern, sorgte der Richter dafür, dass die Angeklagte niemals allein gelassen wurde. An dem festgesetzten Tag versuchte der Richter erneut die Angeklagte zu einem "freiwilligen" Geständnis zu bringen. Blieb auch dieser Versuch erfolglos, so wurde die Angeklagte wieder zur Folterung geführt. Während die Angeklagte erneut gefesselt wurde, lies ihr der Richter die Aussagen ihrer Mitangeklagten unter Verschweigung der Namen vorlesen und rief ihr zu: "Du siehst also, dass du durch Zeugen überführt bist!". War auch diese Folter erfolglos, so ließ man die Angeklagte doch noch nicht frei, sondern man sperrte sie in ein Castrum (Hexenturm). Nach einigen Tagen ließ man die Angeklagte durch bestimmte Frauen besuchen, die sich mit ihr unterhielten und ihr versprachen, dass sie ihr die Freiheit verschaffen wollten, wenn die Angeklagte ihnen nur einige Hexereien lehren wollte. Diese Methode war oft erfolgreich, da zu diesem Zeitpunkt die erlebten Greultaten und Erniedrigungen die Angeklagte bereits in den Wahnsinn getrieben hatten, in dem sie selbst an die Wahrheit der ihre nachgesagten Taten glaubte, auch wenn sie diese nie begangen hatte. Bei besonders willensstarken Frauen blieb aber auch dieser Versuch erfolglos. War dies der Fall, so konnte der Richter die Angeklagte aber auch nur zum Schein zur Hinrichtung führen lassen, um sie auf dem Weg dorthin zur Reue zu bringen. Hüllte sich die Angeklagte immer noch in Schweigen, so hatte sie der Richter in lebenslängliche Haft zu nehmen. Legte die Angeklagte jedoch endlich ein Geständnis ab, so sollte sie bald durch das Feuer hingerichtet werden. War erst einmal der Prozess über einer Person eröffnet, so entkam sie nur sehr selten dieser Spirale der Bestialität.

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